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 | | 8 Frauen(8 Femmes), Frankreich 2001. Nach dem Theaterstück von Robert Thomas, R+B: François Ozon, K: Jeanne Lapoirie, S: Laurence Bawedin, P: Delbosc, Missonier, D: Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux, Ludivine Sagnier, Firmine Richard. Constantin, 11. Juli 2002 | | |
Ozonsorgtheater Wer im Vorspann zu seinem Film eine Idylle beschwört, tut das meist, um sie zu zerstören. Oder zumindest um sie in Gefahr zu bringen. Bei François Ozon ist das allerdings so eine Sache mit der Idylle: Bei "Sitcom" wird sie bereits am Anfang zerstört, anschließend die Geschichte der Zerstörung erzählt. Die Postkartenansichten deutscher Städte aus den Siebzigern am Anfang von "Tropfen auf heiße Steine" wirken so verlogen wie die Texte, die die Touristen damals auf ihre Rückseiten geschrieben haben mögen. In "8 Frauen" nun sind es kitschige Blumenansichten, jeder der Damen ist eine Blüte gewidmet. Anschließend schweift die Kamera durch eine verschneite Studiokulisse und bleibt vor einer Villa stehen, an deren Wand rankendem Geäst sich ein Reh gütlich tut. Das kann nicht gut gehen, und das soll es auch nicht. Es kann also nicht die Rede davon sein, daß Ozon hier eine besondere Fallhöhe aufbaut, um den Absturz effektiver zu machen. Eher scheint er das Geschmacksniveau bewußt niedrig anzusetzen, um eindrucksvoll zu beweisen, wie weit er es noch zu senken vermag."8 Frauen" erinnert nicht nur von der Kulisse an eine Agatha-Christie-Verfilmung aus den Fünfzigern. Es geht auch hier um die Aufklärung eines Mordfalls in einem geschlossenen System, das niemand verlassen kann. Der Hausherr Marcel liegt an Weihnachten mit einem Messer im Rücken auf dem Bett. Die gesamte Familie ist anwesend, alles Frauen, acht an der Zahl, einschließlich Dienstmädchen und Köchin. Der Wagen springt nicht an, das Tor zum Anwesen ist auf einmal verschlossen und die Mauer zu hoch. Es bleibt also nur, den Verdacht von sich abzulenken, indem man die schmutzigen Geheimnisse der anderen ausplaudert. Im Laufe der Enthüllungen erweisen sich die Frauen als erstaunlich selbstbewußt und fortschrittlich. Oma hat damals ihren Mann vergiftet, weil an Scheidung seinerzeit noch nicht zu denken war. Marcels spießige Ehefrau war kurz davor, mit dem Geschäftspartner ihres Mannes durchzubrennen. Die Tochter erwartet ein Kind vom Papa, der aber gar nicht ihr leiblicher Vater ist, wie sich herausstellt. Die Köchin ist lesbisch und hat ein Verhältnis mit Marcels Schwester, das Dienstmädchen geht mit dem Herrn ins Bett, was wiederum nicht so fortschrittlich ist. Und die naivste von allen, die einzige die sich nie auf unmoralische Weise einen eigenen Vorteil erschlichen hat, ist verbittert und streitsüchtig. Ozon entwirft ein Panorama verschiedener Frauentypen und ihrer heimlichen Leiden und Leidenschaften. Das fächert er auf wie die Spielkarten eines Quartetts, oder eher noch wie ein stolzer Bub seine Sammelbilder. Er darf auch stolz sein auf seine Sammlung, sie ist hochkarätig: Catherine Deneuve, Fanny Ardant, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, um nur vier der acht zu nennen. Ursprünglich hatte ihm ein Remake von Cukors "Die Frauen" vorgeschwebt, was aber an den Rechten scheiterte. Von den Farben und Kostümen erinnert vieles an Technicolor-Musicals der Fünfziger, aber bis auf die Gesangseinlagen ist doch eher Volkstheater dabei herausgekommen. Und es hat durchaus seinen Reiz, diesen Stars des französischen Kinos dabei zuzuschauen, wie sie ihre Charaktere einmal hemmungslos überzeichnen dürfen - am schönsten Huppert als keifende Jungfer. Aber hier stand nicht Horvath Pate, sondern das Ohnsorg-Theater, freigegeben ab 18, ein Klamauk der Geschmacklosigkeiten. Man hat die Wahl, sich mit dem Stück zu verschwören und zu kreischen, wenn genau die Gags kommen, die man erwartet. Oder sich pikiert zurückzulehnen, weil das alles ziemlich albern ist und einem wie eine eitle Selbstbeweihräucherung einer nicht übermäßig sympathischen Filmclique vorkommt. Aber selbst das naive Vergnügen läßt Ozon einem nicht durchgehen, wenn plötzlich Emmanuelle Béart als Dienstmädchen ein Foto aus der Schürze und der Hausherrin Deneuve vor die Füße fällt: Romy Schneider. Ihre alte, und einzig wahre Herrin. Ozon, Sie alter Kulturpessimist! Aber nach diesen neunzig Minuten wagen wir den Schulterschluß mit Ihnen: Quo vadis, französisches Kino? Dirk Schneider A propos "Frauen & Morden":
Wem nach dem Konsumieren von "8 Frauen" der Sinn nach härterer Kost, nach echter Frauen-Realität steht, dem sei die Lektüre von "Nurse Betty" wärmstens empfohlen. Und als Teaser unsere Kritik dazu von Stefanie Maeck.
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