Wir müssen zusammenhaltenWir müssen zusammenhalten, (Musime Si Pomahat), CZ 2001. R: Jan Hrebejk, B: Petr Jarchovský, K: Jan Malír, Schn: Vladimir Barák, M: Ales Brezina, Pr: Ondrej Trojan, D: Boleslav Polívka, Anna Sisková, Jaroslav Dusek, Csongor Kassai, Jirí Pecha, Simona Stasová, Martin Huba, Jirí Kodet
Movienet 14. März 2002

Gorillas im Zoo

Am Anfang sind sie lustig: Der jüdische Industriellensohn David, der Sudetendeutsche Horst und der Tscheche Josef. Sie pinkeln ihren Bierrausch in den lauen Abendwind und sind so albern, wie Männer eben seien können. Dann besetzen humorfreie Nazis die tschechische Idylle.

Davids Familie wird nach Theresienstadt verfrachtet, Horst macht als Provinzblockwart schleimige Karriere und Josef wartet lakonisch auf das Ende des Spuks. Als Zeichen seines Gleichmuts würde er seiner Gattin Marie (!) jetzt sogar das langersehnte Kindlein zeugen, allein, er ist unfruchtbar, da hilft keine wundertätige Madonna überm Ehebett.

Auch Horst, neuerdings "Wurst" genannt, macht Marie den Hof. Weil er mit Freßpaketen und echtem Kaffee keinen Erfolg landet, versucht er es mit Vergewaltigung und erntet einen Tritt in die Eier. Wurst ist sauer. Aus Rache will er Marie und Josef einen Oberobernazi einquartieren, was die beiden unbedingt verhindern müssen. Halten sie doch in ihrer heimlichen Vorratskammer seit Monaten David versteckt, der aus dem KZ fliehen konnte. Also schützt Marie eine Schwangerschaft vor, um den ungebetenen Gast loszuwerden. Aber wie weiter? Josef nimmt David zu einem Gespräch unter Männern auf die Seite ...

Wie in den diversen Holocaustkomödien der letzten Jahre subjektiviert "Wir müssen zusammenhalten" die große Historie zur Familienangelegenheit. Darin hantiert der Film zugegeben gewieft, das Drehbuch verknotet die Konflikte zwischen privaten Nöten und geschichtlicher Nötigung in unerwarteter Situationskomik. Weiteres Lob kann man dem Film nicht spenden. Ob Kollaborateur, Opfer oder stiller Held, in der persönlichen Katastrophe sind ihm alle wieder gleich. Wo die bedenkens- und erzählenswerten Unterschiede begännen, blendet er über in stummschweigendes Weiß oder flüchtet in Visionen: Der tote Nazipimpf sitzt mit Davids ermordeter Familie am Tisch, während Josef seinen Ziehsohn spazieren fährt durch Ruinen. Am Ende war das Grauen eine Art Naturgewalt, für die niemand etwas konnte.

Der undisziplinierte Genremix, dessen sich der Regisseur bedient, verstärkt diesen Eindruck. Wenn es spannend werden soll, fuchtelt eine saublöde Horrorfilmkamera, dann folgen brachiale Schweinehälftenmetaphern, bereit, zu Seife verkocht zu werden und zwischendurch werden flugs jiddische Klagelieder gegen deutschen KdF-Schlager montiert: "Mein Gorilla hat 'ne Villa im Zoo." Da werden sogar die Nazis albern.

Urs Richter


A propos "Wir müssen zusammenhalten":

Andere Versuch, den Holocaust komödiantisch fürs Unterhaltungskino aufzubereiten, sind bei filmtext meist ähnlich mißtrauisch beäugt worden. Ausgerutscht auf peinlich gutem Willen ist zum Beispiel Marcello Mastroianni in seinem vorletzten Werk"Erklärt Pereira", und die "Jakob der Lügner"-Variante "Zug des Lebens" ist in erster Linie eine musikalische Schrulle geblieben. Einzig Roberto Begninis "Das Leben ist schön" hat in den letzten Jahren in diesem Genre überzeugt.



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