BasicBasic, C/USA/D 2003. R: John McTiernan, B: James Vanderbilt, K: Jonathan Krane, Schn: George Folsey Jr., Pr: Mike Medavoy, Arnie Messer, Michael Tadross, D: John Travolta, Connie Nielsen, Samuel L. Jackson u. v. a.
Bundesstart: 11.09.2003, Verleih: Constantin

Sturzbäche aus Geschwätz

Ein Hubschrauber fliegt an einem regnerischen, nebelverhangenen Tag über den panamaischen Dschungel. Eine Handvoll Soldaten wird aus der Maschine abgeseilt. Nur zwei von ihnen kehren später zurück, einer schwer verletzt, die anderen sollen tot sein. Was ist passiert ? Auf dem amerikanischen Militärstützpunkt Fort Clayton stoßen die Ermittler auf ein Wespennest aus Lügen und Korruption. Die Fäden laufen anscheinend ganz weit oben zusammen. John "McT" McTiernan, seit "Stirb langsam" und "Jagd auf Roter Oktober" Synonym für martialische Action mit ‚autistischen' Anti-Helden, hat sich mit "Basic" an ein Kammerspiel mit einem Minimum an Pyromanie gewagt. Hat er die Partie gewonnen oder verloren?

Über jeden Verdacht erhaben ist die Eröffnungssequenz. Vom Urwald magnetisch angezogen zu werden, der im selben Maße zurückzuweichen scheint - dieses Gefühl bei einem Hubschrauberflug zu vermitteln, ohne bei der surrealen Stimmung und dem Tschip-Tschip der Rotorblätter in Coppolas "Apocalypse Now" Anleihen zu machen, ist eine Leistung. Wenn der Film durch solche Momente die Teile seines Krimipuzzles neu arrangiert, ist der Zuschauer dankbar. Die Erkundung der Ferne, die sich entzieht, verräumlicht wie kein anderes Bild die Vergeblichkeit der Wahrheitssuche.

Ein Hurrikan macht den mutmaßlichen Tatort unbetretbar. Was den verschwundenen Soldaten im Dschungel zustieß, soll im Kreuzverhör zutage kommen. Beauftragt wird damit die ponyfrisierte, strenge Blondine Captain Julia Osborne (Connie Nielsen), die gegen ihren Willen Unterstützung von dem lässigen Tom Hardy (John Travolta) erhält. Raymond Dunbar (Brian Van Holt), der Soldat, der seinen Kameraden Kendall (Giovanni Ribisi) schwer verletzt zum Rettungshubschrauber schleppte, will nämlich nur gegenüber jemandem aussagen, der wie Hardy einmal Angehöriger der Special Forces war.

Von da an tritt "Basic" in eine ausgedehnte "Rashomon"- Phase. Dem Prinzip von Akira Kurosawas Meisterwerk folgend, wird der verhängnisvolle Übungseinsatz so lange aus verschiedenen Perspektiven erzählt, bis Zweifel aufkommen, ob überhaupt vom selben Ereignis die Rede ist. Wie im japanischen Vorbild herrscht Dauerregen, wunderbar aufgenommen als weißliche Splitterfontänen, Symbol für Sturzbäche des Geschwätzes, das auf Spurenelemente von Wahrheit hin analysiert werden will. Giovanni Ribisi, der sich an Nasenschläuchen schuldgeplagt im Krankenhausbett wälzt, macht sich gar das irre Lachen zu eigen, das in "Rashomon" die sublimen Höhen der Verlogenheit punktiert. Er und Dunbar tauschen Bezichtigungen und Widerrufe aus, die vom Schiedsrichterduo Osborne-Hardy unermüdlich zwischen den Verbalkontrahenten hin- und hergetragen werden.

Hinweise auf Drogenschmuggel deuten immer höher in die Militärhierarchie hinauf. Aber die Zunahme an Brisanz wird mit rasanter Abnahme an Plausibilität bezahlt. Wie hastig abgeworfene Indizienkarten des ‚Whodunit'-Spiels Cluedo werden immer unwahrscheinlichere Versionen des Tathergangs aufgetischt. Die Logik-Verstöße wären verzeihlich, würde sich McTiernan des selbstauferlegten Askeseprogramms gewachsen zeigen, demzufolge sich alle Actionszenen im Prisma dramatischer Erzählung brechen.

Doch ohne Gadgets und Gimmicks steht McT als ziemlich lausiger Schauspieler-Dirigent da. Des Gestikulierens müde, vergräbt John Travolta seine Hände in den Achselhöhlen. Sein bissiges Zusammenspiel mit Connie Nielsen ist gesalzen, aber nicht gepfeffert. Die eindimensionale Grimmigkeit von Samuel L. Jackson als Sergeant spricht der gewohnten Subtilität seines Spiels Hohn. Die Figuren in "Basic" berühren wenig. Dafür umso mehr das Schicksal eines Abstraktums, der Moral, auf deren Rolle der Titel des Films - vielleicht - verweist. Ihre Hüter stellen sich als exterritorialisierte Zombies und Freelancer vor, keiner Behörde untertan und ohne Platz in der amerikanischen Gesellschaft. Kein beruhigender Abschlussbefund.

Andreas Günther



startseite drucken newsletter bestellen