Whale RiderWhale Rider, Neuseeland 2002, 101 Min. R. & B.: Niki Caro; K.: Leon Narbey; S.: David Coulson; M.: Lisa Gerrard; D.: Keisha Castle-Hughes, Rawiri Paratene, Cliff Curtis, Vicky Haughton u.a.Pandora Film Start: 14. August 2003

Rettet die Wale

Eine(r) wird kommen und sie alle retten. Oder zumindest einige von ihnen. Wie und warum, lässt auch dieses Märchen vom anderen Ende der Welt offen, jedenfalls ist der Messias hier kein fliegender Superhacker aus der Blockbustermatrix, sondern ein kleines, um Anerkennung kämpfendes Maorimädchen in einem stimmungsvollen, mythisch angehauchten und vor allem zum Ende hin reichlich dick auftragenden Familiendrama der Neuseeländerin Niki Caro (Memory And Desire), dem erfolgreichsten neuseeländischen Film aller Zeiten.

Pai (Keisha Castle-Hughes) ist die letzte Nachfahrin eines Maori-Stammes, dessen Legende besagt, dass ihr Urahn auf einem Walrücken an die neuseeländische Ostküste gekommen sei. Seit langer Zeit wartet auch ihr geliebter Grossvater Koro (Rawiri Paratene) auf einen würdigen Nachfolger des Stammesgründers, der der verbliebenen Sippe zu alter Grösse verhelfen soll. Dieser neue Häuptling kann, so will es die Tradition, natürlich kein Mädchen sein, und so schildert der Film, wie die mit reichlich Sendungsbewusstsein und auf wundersame Weise mit allen Eigenschaften eines Anführers ausgestattete Pai sich gegen ihren engstirnig-störrischen Ziehvater durchzusetzen versucht. Was schliesslich in einem reichlich konstruierten Finale mündet, in dem die kleine Auserwählte ein gestrandetes Walrudel kraft ihrer Bestimmung rettet und vor den Augen des ungläubigen Grossvaters ihren Symbolplatz auf dem Rücken des Wals einnimmt - worauf Ablehnung, Dogmen und Patriarchentum ganz schnell verschwinden und selbst die antriebslosen, dauerkiffenden Jungmaoris endlich wieder Stammestänze aufführen. In der Schlussequenz paddelt die wiedererstarkte Gemeinschaft in einem prunkvollen Kanu einer wohl goldenen Zukunft entgegen, zuvorderst die nun offiziell anerkannte Führerin im Arm des geläuterten Alten. Alles wird gut. Bis auf den zunehmend penetranten Walgesangs-Synthesizereinsatz der für die Filmmusik verantwortlichen Lisa Gerrard (eine Hälfte des verblichenen Duos Dead Can Dance).

Dabei bleibt neben Kontemplation ob der obligatorischen grandiosen Naturaufnahmen und der beeindruckenden Keisha Castle-Hughes wenig mehr als ein weiteres ehrlich gemeintes Bemühen um Einblick in die Ureinwohnerkultur Neuseelands anhand von Stammesgesängen, -tänzen und -kämpfen. Den Kampf um die Wurzeln hat man allerdings, wenn auch mit verlagertem Schwerpunkt, in "Die letzte Kriegerin" schon packender gesehen.

Kriton Klingler


 


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