 | | Coffee and Cigarettes USA 2003 R. und B: Jim Jarmusch, K: Tom DiCillo, Frederick Elmes, Ellen Kuras, Robby Muller, Schn: Jim Jarmusch, Terry Katz, Melody London, Jay Rabinowitz, M: von den Stooges bis Gustav Mahler, Pr: Joana Vicente, Jason Kliot, D: Alfred Molina, Joie und Cinqué Lee, Steve Buscemi, Isaach de Bankolé, Meg und Jack White und viele andere Pandora Film, 19. August 2004 | | |
Er trinke sehr viel Kaffee abends, damit er schneller träume, sagt Steven Wright zu Roberto Benigni und sieht aus wie einer, dem man Schnelligkeit als letztes zutraut. Jim Jarmusch ist auch eher gemütlich. Achtzehn Jahre hat er sich Zeit genommen, die Kaffeetischepisode zwischen italienischem und amerikanischem Komiker um zehn weitere Anekdoten anzureichern. Nun füllt das Programm einen Abend - und behält in den besten Momenten dennoch das Provisorische eines Vorprogramms, das auf die Hauptattraktion nur einstimmt. Die lässt dann glücklicherweise auf sich warten. Anstrengend an kurzen Filmen ist meistens, dass sie Überraschungseier sind mit dem notorischen Gimmick am Ende, oder dass sie Langfilmstoffe in ein paar wenige Minuten quetschen. Im ersten Fall hat man keinen Film gesehen, sondern einen Gag erlebt, im zweiten Fall wird aus Zeitmangel mit Klischees und Haurucksymbolen hantiert, damit man schneller die Konstellationen kapiert. Jarmusch probiert was anderes. Wie beim Zigarettenrauchen und Kaffeetrinken geht es in seinen Vignetten nicht um Fertigwerden, sondern um Rauszögern, nicht um Zeitverkürzen, sondern um Pauseverlängern. Wie Zigarettenrauchen und Kaffeetrinken ist ihr Wesen nicht Aktivität, sondern Aktivitätsvermeidung und als solches nur bei sich selbst, wenn es gerade nicht Warten auf... oder Aufputschen für... ist. Natürlich hat auch Jarmusch seine Gags, und je jünger die Filme sind, desto pointierter werden sie. Aber am schönsten sind so dort, wo sie in jene Zustände geraten, die immer eintreten, wenn Pausen sich sehr dehnen: Verlegenheit, Langeweile, Müdigkeit. Wright und Benigni wirken in der Großmutter aller "Coffee and Cigarettes"-Filme, im oben erwähnten ersten Kurzfilm namens "Strange to meet you", noch nicht wie Figuren, sondern wie Epiphänomene des Schachbretttischchens, das da zufällig vor einer schmutzigen Wand steht. Und alles plappert daneben, der Kaffee, die Konversation, die Kamera. Vielleicht ist und bleibt dies Jarmuschs hübschester Kurzer. Auch schon in den Kinos war "Somewhere in California", in dem Tom Waits gorillagesichtig dem milden Iggy Pop aus Medizinersicht erläutert, dass er jetzt ab und zu wieder rauchen dürfte, weil er ja aufgehört hätte... In den folgenden Filmen werden die Charaktere bestimmter, ihre Treffen arrangierter, kleine Moralen gucken um die Ecke. In "Cousins" trifft Cate Blanchett Cate Blanchett, der Star die Cousine, eine Grungebraut, und schenkt ihr Werbepräsente weiter. Die bedankt sich biestig und würde neidisch gerne die Rollen tauschen. Was natürlich ein Witz ist. In "Delirium" lassen sich RZA, GZA und Bill Murray zum Promitalk nieder und wiederkäuen die Ideen, die bereits Steven Wright hatte: Koffein in Eisform, zum Lutschen für die Kinder. Da kokettiert Jarmusch mit dem Einfall, dass ihm die Einfälle ausgehen und so ist es ist in der Tat ein bisschen. Zum guten Ende passiert dann noch ein Glücksgriff: Nichts. Taylor Mead und Bill Rice, zwei Veteranen des New Yorker Undergroundfilms der 60er, sitzen in "Champagne" am Tischchen und träumen von Paris. Ob Taylor die Musik nicht höre, fragt Bill, Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen"? Taylor kann sie erst nicht, dann doch hören. Er will es Bill sagen. Der hält ein Nickerchen. Trotz, wegen des Kaffees. Urs Richter
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