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 | | Status Yo! R. und B: Till Hastreiter, K: Tamás Keményffy, Robert Ralston, Till Hastreiter, Schn: Till Hastreiter, Thomas Krause, T: Hanno Ohms, Pr: gute filme/ Discofilm, D: Sera Finale, Jan Eq, Pepi, Jamie, Saession, DJ Quest, Codeak, u.v.a. 4. November 2004, Die TelePaten | | |
Mama Hip Hop Während derzeit Rapper aus Berliner Randbezirken mit Gangsterposen, markigen Texten und Totenkopfmasken kommerziell erfolgreich sind und sich jeder dritte bzw. drittklassige amerikanische Action- oder Klamaukstreifen mit Rapstars in Haupt- oder Nebenrollen schmückt und damit gleich das Kaufargument für den Soundtrack mitliefert, kommt mit "Status Yo!" ein Film in die Kinos, der sich dezidiert Hip Hop als Jugendkultur verschrieben hat. Zuletzt portraitierte der deutsche Filmemacher Harald Rumpf unter dem ähnlich plakativen Titel "Hip Hop - A Tale from the Hood" (2003) zwei Rapper aus dem New Yorker Underground und dokumentierte so Sozialstrukturen in Queens und der Bronx. Und auch in dem Spielfilm "Status Yo!" ist Hip Hop weniger das primäre Sujet des Films, sondern fungiert als Folie, durch die Jugendliche in Berlin betrachtet werden. Das Resultat ist ein filmischer wie marketingstrategischer Spagatversuch: eine kleine unabhängige deutsche Produktion, die ihr Publikum unter Multiplexbesuchern finden möchte und der kommerziell relevantesten, medial sowie in Sprache und Erscheinungsbild präsentesten Popkulturspielart wieder den Jugendzentrumsgeist der frühen 90er Jahre einhauchen zu wollen scheint. Die Exposition von "Status Yo!" katapultiert uns in ein zunächst denkbar unübersichtliches Großstadtgeschehen. Gleich die ansonsten nicht in die Handlung integrierte erste Szene verpasst uns ein filmisch-narratives Schleudertrauma, indem wir zugleich Zeuge & Opfer eines Kameradiebstahls werden und das Geschehen aus der Perspektive des hektisch bewegten Geräts sehen. Aus dieser Szene spricht die Empfehlung, dass man sich der mitunter sehr geschickten Dramaturgie ruhig anvertrauen möge - gleichsam eine ‚guided tour' durch Wohnungen, Straßen, Hinterhöfe und Clubs in Friedrichshain und Kreuzberg. Am Anfang steht die schiere Überforderung: Die zahlreichen Figuren werden eingeführt über kurz auf die Leinwand projizierte Tags, schriftliche Markierungen des Raumes, und dem ungeübten Zuschauer/Leser werden damit höchstens Erinnerungsspuren gelegt, wem er wohl wieder begegnen wird. Namen erfährt er erst allmählich, denn mit der Zeit kristallisieren sich aus dem Figurengeflecht sieben Erzählstränge von unterschiedlicher Gewichtung und Tonalität heraus - zwischen Melodram und Komödie. Hip Hop bleibt dabei die Bezugsgrundlage des Films, der mal geflissentlich, mal lässig die vier heiligen Säulen des Hip Hop - Graffiti, Rap, DJing & Breakdance/B-Boying - über Figurenhorizonte in seine Erzählstränge integriert: Es gibt den als Zenmystiker des Urbanen portraitierten Sprayer auf der Suche nach dem mythischen weißen Zug, der aus dem New York des filmischen Graffiti-/Hip Hop-Gründungsdokuments "Wildstyle" nun auf die Gleise der Berliner Verkehrsbetriebe gelangt zu sein scheint; es gibt den Rapper, dessen kalauernder Reimzwang gepaart mit der wohl obligatorischen Gras-Vorliebe ihn Pflegerjob und Wohnung kosten und zu U-Bahn-Performances und einer betont angewidert hingerotzten Kommerzrapeinlage nötigen (von der sich der Titeltrack des Films bezeichnenderweise doch gar nicht so massiv unterscheidet); es gibt den DJ, der seinen leiblichen Vater aufspürt und brüsk abgewiesen wird - und die B-Boytruppe 5Amox, die den Videodreh des erwähnten Kommerzsongs akrobatisch schmücken soll und ihn durch unzähmbare Körperenergie sprengt, um dann gegen Ende des Films auch noch einige Skinheads in einer für europäische Verhältnisse spektakulär montierten Actionsequenz mit Breakdance-Moves zu vermöbeln. Dazu gesellen sich der selbsternannter Manager der 5Amox, eine mitunter wie ein Erzähler durch den Film führende berlinernde Quasselstrippe, und einige Jungs, die sich bei der Organisation einer Spontanjam mit lokalen Kiezgrößen herumschlagen müssen. Zum gewichtigsten Erzählstrang wird dann aber die Liebes-, Flucht- und Wiedergewinnungsgeschichte zwischen einem Mitglied der Rapcrew und einem Mädchen türkischer Herkunft, das von ihrem Vater und Bruder entführt und in der Türkei verheiratet zu werden droht, wobei insbesondere die melodramatische Schwere dieser Geschichte den Darstellern einiges abverlangt. Die Schauspiellaien treten fast vollständig unter ihren Künstlernamen auf; schon auf dieser dem Film vorgeschalteten Ebene wird damit eine für Hip Hop programmatische Spannung zwischen persönlichen Erfahrungsdimensionen und künstlicher Existenz bzw. deren Inszenierung ausgetragen. Einerseits profitiert der Film von diesem Diskursmechanismus ungemein: Hip Hop-Gestalten sind sowieso reale Kunstfiguren mit Noms de Guerre, antrainierten Posen & Gesten und einem rhetorischen Repertoire, das seinen Zitatcharakter nicht verbergen kann. Der Regisseur Till Hastreiter hat dieses performative Kapital genutzt und kann mit der Handkamera dicht bei seinen selten richtig hölzernen Protagonisten und ihrem Sprechen bleiben. In den besten Momenten ist der Film mit seinem körnig-rohen 16mm-Look dadurch von einer fast verschwenderischen Lebendigkeit und befreit sich von dem Korsett, das der Wille zur narrativen Schlüssigkeit und Geschlossenheit bedeuten kann. Andererseits hat Hastreiter mit der kaum bekannten "Pflegerlounge" leider Rapper vor die Kamera gestellt, die schauspielerisch eher zu überzeugen wissen als in ihrem eigentlichen Metier - bestenfalls sind die Songs annehmbarer Durchschnitt, schlimmstenfalls schlicht peinlich. Dazu sind die Figuren mitunter eben auch wandelnde Klischees, die den guten, wahren, begeisternden, mobilisierenden Hip Hop in Reinkultur verkörpern sollen und politisch korrekte Floskeln zum Besten geben. Zu diesem Hip Hop-Diskurs gehören Traditionsbezug & -pflege und auch ein nostalgisch-naiver Anstrich; er kommt weder sozialdarwinistisch, noch misogyn, homophob, aggressiv oder konsumfixiert daher, fast aller Ambivalenzen scheint er bereinigt. Je stärker diese Aspekte im Verlauf des Films in den Vordergrund rücken, desto mehr gelangt er in zu stromlinienförmiges, seichtes Fahrwasser und wird zunehmend ein Feel-Good-Movie mit dem Bestreben, nichts mehr offen zu lassen. Genrekonform vereint sich schließlich alles auf der doch noch organisierten Blockparty, jeder männliche Protagonist wird noch schnell mit einer Frau belohnt, und über allem wacht Mama Hip Hop, das musikalisch-ideologische Heim, welches den geplagten Jugendlichen erlaubt, Arbeitslosigkeit, Beziehungsprobleme und drohende Obdachlosigkeit wegzurappen, Neonazis in Grund und Boden zu breaken, die Enttäuschung der Verstoßung durch den gerade wiedergefundenen Vater am Plattenspieler zu bewältigen oder trotz der Unterdrückung durch die väterlichen & brüderlichen Patriarchen Nestwärme zu empfinden. Vielleicht ist all dies ein (wohl verfehltes) Zugeständnis an die anvisierte Zielgruppe, vielleicht auch einfach nur süß-utopistischer Kitsch. Die Freude an diesem oft tempo- und ideenreichen sowie streckenweise souverän inszenierten Film kann es jedenfalls gehörig schmälern. Daniel Eschkötter
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