 | | Young Adam, UK/F 2003, 93min. R: David Mackenzie; R+B: David Mackenzie, n. d. Roman v. Alexander Trocchi, K: Giles Nuttgens; Schn: Colin Monie; M: David Byrne; D: Ewan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan , Emily Mortimer, Jack McElhone, Therese Bradley, Ewan Stewart, Stuart McQuarrie u. a. Bundesstart: 9.12.2004, Verleih: Alamode Film | | |
Binnenschiffahrtshilfsmatrosenliebeleien Wasserkräuselungen füllen das Bild. Dann tunkt ein Schwan sein Haupt in den beschaulichen Fluß. In der nächsten Einstellung sehen wir ihn von unten. Alles wird grün. Das Idyll kippt ins Unheimliche. In dieser Weise geht der Vorspann von „Young Adam“, dem dritten Spielfilm des jungen Schotten David Mackenzie, noch einige Minuten weiter, immer wieder die Perspektive wechselnd. Wir sind gewarnt: Die heile Welt hat eine Kehrseite. Und wie auf Kommando endet der Vorspann mit einer Wasserleiche, die ins grüne Bild schwimmt.Der junge Joe entdeckt die Leiche vom Hafenrand aus und zieht sie mit seinem älteren Kollegen Les an Land. Die Tote ist eine halbnackte junge Frau. Die Polizei kommt, die Zeitungen melden den Fall. Aber das Leben geht weiter auf dem Binnenschiff, wo Adam angeheuert hat. Es gehört Ella, der Frau von Les. Sohn Jim ist auch an Bord. Der mürrische Arbeitsalltag überlagert sich bald mit erotischen Spannungen zwischen Joe und Ella. Immer wieder erinnert er sich zwischendurch an seine Exfreundin. Und immer wieder an die Wasserleiche. In zwei geteilt wie die überdeutliche Vorspannvignette mit dem Schwan ist auch der ganze Film. Es muss einen misstrauisch machen, dass sich in der ersten Hälfte in puncto Leiche nichts bewegt. Dann klärt sich schlagartig alles, Mackenzie nimmt uns die Scheuklappen ab, die er uns also vorher absichtlich vor die Nase gehalten hatte, und der Rest ist ein Trauerspiel verdruckster Schuld. Es ist interessant zu sehen, was sich ein Film, anders als ein Buch, erzähltechnisch alles leisten kann. „Young Adam“ gibt die Gedanken Adams anfangs in abgesetzter Tagtraum-Montage wieder. Aber nur zur Hälfte, wie später ersichtlich wird. Gleichzeitig von innen, denn es sind Gedanken, und von außen, denn das Wesentliche fehlt. Das würde sich ein Romanautor nie erlauben. Oder ist Adam so abgestumpft, dass er nur in Bilderfetzen denkt? Bei einem anderen Film würde das neugierig machen, die Buchvorlage anzuschauen. „Young Adam“ lohnt solcher Mühe nicht. Wegen dem Binnenschiffahrt-Setting wurde der Film mit „L’Atalante“ verglichen. Das ist jedoch genau so irrelevant wie der Umstand, dass „Young Adam“ im Schottland der 50er Jahre angesiedelt ist. Die Geschichte könnte überall spielen, wo es Binnenschiffe gibt. In der Hauptsache transportiert sie Ewan McGregor als Joe, als eine vielleicht ambivalente, jedenfalls grotesk überpotente Figur. Von „Young Adam“ bleibt bei allem Sinistren vor allem eines hängen – wie fast jede weibliche Figur des Films Joe vor die Füße fällt, um sich unter Lastwagen oder auf offener Straße beschlafen zu lassen. Und noch was bleibt hängen: Man gewöhnt sich an alles, sogar an Schottisch. Jakob Hesler A propos "Young Adam": "He is a British filmmaker to be proud of", schreibt der fiese Guardian. Pfui Teufel, ich will gar nicht wissen, was damit gemeint ist. Worauf die Briten so stolz sind, kann man ebenda in Gordon Browns unlängst gehaltener Rede zum Thema Britishness nachlesen.
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