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 | | Fantastic Four, USA/Deutschland 2005.R: Tim Story, D: Michael France, Mark Frost n. d. Marvel-Comic von Stan Lee und Jack Kirby, K: Oliver Wood, Pr.: Bernd Eichinger, Chris Columbus, D: Ioan Griffudd, Jessica Alba, Michael Chiklis, Chris Evans Verleih: , Bundesstart: 14.7.2005 | | |
So große Hände Durch eine rote radioaktive Wolke werden bei einem biotechnologischen Experiment im Weltall Mutationen in der DNS von vier – eigentlich fünf - Astronauten ausgelöst. Ben Grimm (Michael Chiklis) hat´s besonders schwer erwischt. Der nette Kahlkopf verwandelt sich in einen ockerfarbenen steinernen Koloss. Ausgestattet mit den Kräften eines Riesen, der Busse und Feuerwehrautos vor dem Sturz von der Brücke retten kann, aber so schwer, dass er den Boden unter sich erzittern läßt. So klobig, dass seine Verlobte vor ihm Reißaus nimmt. Ein permanenter Zustand, während sich seine Kollegen nur phasenweise verändern. Johnny Storm (Chris Evans) wird zur bald auch fliegenden menschlichen Fackel, seine Schwester Sue Storm (Jessica Alba) wird unsichtbar, Reed Richards (Ioan Griffudd) zum Gummimann mit übernatürlich gedehnten Extremitäten. Mit Ben Grimm, als „Das Ding“ bespöttelt, wurde in der gerade angelaufenen Comic-Verfilmung „Fantastic Four“ eine Figur erschaffen, die dem klassischen Leinwandmonster der vierziger Jahre wie dem Werwolf oder dem Unsichtbaren ebenbürtig ist. Daran hat Anteil, daß auch für Das Ding frustrierenderweise der Teufel im mikrophysichen Detail steckt. Schon das Trinken wird zum Problem, weil in den wuchtigen Pranken jedes Glas sofort zerbricht. Wie soll das erst mit einer Frau werden? Sogar die gutherzige, blinde und natürlich äußerst grazile Afroamerikanerin, die ein wohlwollendes Drehbuch Dem Ding in den zum Aquädukt tauglichen Arm legt, kündigt an, dass an der Feinmotorik ihres Geliebten noch gearbeitet werden muss. Lieber Hände weg, sonst geht was kaputt! Dieser Warnruf gilt nicht nur Dem Ding, sondern auch dem Mitproduzenten der „Fantastic Four“, Bernd Eichinger. Wo Deutschlands Möchtegern-David-O.-Selznick und Chef der Constantin kreativ mit Hand anlegt, richtet er meist ein Desaster an. Wie mit dem pseudodokumentarisch aufgeplusterten, ethisch hoffnungslos neutralisierten Schulsondervorstellungs-Exkulpationsspektakel „Der Untergang“, für den er das Drehbuch schrieb und den braven Regie-Handwerker Oilver Hirschbiegel als „Yes-Man“ seiner Wünsche beschäftigte. Bei den „Fantastic Four“ hingegen löste Eichinger eigentlich nur die Filmrechte ein, die er vor fast zwanzig Jahren erworben hatte – wie einen Scheck. Den kreativen Rahmen setzte der Marvel-Comic-Verlag, sprich die „Fantastischen Vier“-Erfinder-Legenden Stan Lee und Jack Kirby Wohl dieser Aufgabenteilung ist es zu verdanken, daß sich das Ergebnis als fantastische Kurzweiligkeit sehen lassen kann. Die „Fantastic Four“ müssen sich nicht nach der Decke bildungsbürgerlicher Ideale zeitgeschichtlicher Aufarbeitung strecken. Sie können den ganzen Freiraum eines unverbraucht naiven B-Films nutzen, der über ein A-Film-Budget verfügt. Kino darf hier Kino sein. Verführerisch in der Geradlinigkeit, mit der es sein Publikum verzaubern will. Zum Leben erweckt von der reinen Lyrik der Special Effects. Getragen nicht von Tragöden mit Iffland-Ring , sondern vom charakteristischen Detail: dem Schmollmund der Blondine, der Hyperaktivität des Action-Man, dem Kahlkopf des gutmütigen Grobians, der ergrauten Schläfe des Schlaukopfs. Hingegeben an die kurzweilige Situationskomik des Absurden, wenn Superhelden mit dem Alltag der Normalsterblichen kollidieren. Sprachlich badend im schnellgetakteten Repliken-Scharmützel einer Screwball-Comedy. Dabei nicht ohne Sinn, aber mit einem Sinn, der sich gerne mit allen gemein macht. Denn kein erfolgreicher Blockbuster kommt aus ohne Botschaft, die die Welt umarmt. In den „Fantastic Four“ lautet sie: Wir werden von transzendenten Kräften um und in uns beherrscht, die unberechenbar sind. Ihre wesentlichen Einflussfaktoren, so lehren die „Fantastic Four“, sind Wissenschaft und Kapital. Wir können diese Kräfte nicht kontrollieren, sondern nur zum Vorteil möglichst vieler nutzen. Sonst bleiben wir isolierte Monaden. So wie Das Ding. So wie die Frau, die sich für das Gegenüber in Luft auflöst, sobald starke Empfindungen sie überfordern. So wie der Wissenschaftler, der die Nähe anderer Menschen scheut. So wie der brennende Draufgänger, der in seine Heavy-Metal-Musik eingeschlossen ist wie in einer Kapsel, die erst im kostbaren Moment der absoluten Todesangst aufbricht. Was hilft gegen die Isolation? Seine eigenen Kräfte mit denen der anderen zu mischen, die schwierige und riskante Aufgabe der Koordination auf sich zu nehmen, die jede menschliche Gemeinschaft zu leisten hat. Auch um aus wirtschaftlicher Bedrängnis zu kommen. Das zu zeigen, gelingt Regisseur Tim Story hier ebenso wie in seinem amerikanischen Hit „Barber Shop“. Das eigene Glück steht allerdings mitunter zurück. Ben Grimm, Dem Ding, fällt es schwer, um den Preis persönlichen Leidens seine Kräfte der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Er tut es schließlich doch. Alle Mono-und Egomanen hingegen seien durch das Beispiel von Dr. Doom gewarnt, des fünften Mutanden, der seine Kräfte für den wirtschaftlichen Eigennutz monpolisieren wollte und an den anderen vier scheitert. Wahrscheinlich fließt jeder Dollar, jeder Euro, den Bernd Eichinger mit den „Fantastischen Vier“ verdient, in sein neues Prestigeprojekt „Das Parfüm“. Ausgerechnet Deutschlands irgendwie keuscher, hochartifizieller und hochreflektierter Vorzeige-Kinoromantiker Tom Tykwer bebildert zur Zeit Patrick Süskinds Mördergroteske aus dem Ancien Régime. Am Drehbuch schrieb Eichinger diesmal wieder mit. Gutes Kino wird es aus dem Hause Constantin aber wohl erst wieder geben, wenn sich der Koloss des deutschen Films darauf beschränkt, die finanziellen Lasten zu stemmen. Das Ding ist eben produktiver als Dr. Doom. Andreas Günther
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