Verbotene SchlüsselVerbotene Schlüssel (The Skeleton Key) USA 2005.R: Iain Softley, B: Ehren Kruger, K: Daniel Mindel, Schn: Joe Hutshing, M: Ed Shearmur, Pr: Daniel Bobker, Stacey Sher, Ian Softley, D: Kate Hudson, Gena Rowlands, John Hurt, Peter Sarsgaard, Joy Bryant
UIP, 18. August 2005

Das Irrationale hängt im Speicher

Das Irrationale ist beängstigend. Als Nahrung für einen Psychothriller eignet es sich, wenn die Angst mit einem Zweifel gepaart werden kann: Ist nicht doch etwas dran am Undurchschaubaren? Man muss allerdings fragen, was das Genre noch sein kann, seit das Irrationale durch die Rede von "anderen Rationalitäten" einen Großteil seiner reizvollen Bedrohlichkeit eingebüßt hat. Eine mögliche Antwort gab Iain Softley 2001 mit "K-Pax". Am Beispiel des vorgeblichen Außerirdischen Prot und seines Psychiaters stellte der Regisseur in einer spröden Inszenierung zwei sich widersprechende Auffassungen von Realität gleichberechtigt nebeneinander. Den Verlust an Nervenkitzel, der damit einhergeht, glich er konsequenterweise nicht durch Elemente des Phantastischen und des Horrors aus.

Wenn Softley nun in "Verbotene Schlüssel" Kate Hudson einzig mit einem schwarzen Trägerkleid bewehrt mitten im Louisiana-Delta feucht dampfender Luft, tief hängenden Ästen, bedrohlichen schwarzen Menschen und ihren seltsamen Voodoo-Praktiken aussetzt, wirkt das auf den ersten Blick wie ein anachronistischer Rückgriff auf die gothischsten aller amerikanischen Ängste. Bitte kein "Angel Heart"-Aufguss, fleht man in den Kinosessel gedrückt der Leinwand entgegen, wenn die angehende Krankenschwester Caroline ihre neue Stelle in einer großen Südstaatenvilla antritt. Dort lebt das ebenso alte wie verschrobene Ehepaar Devereaux, nach einem Schlaganfall sitzt Ben (John Hurt) gelähmt im Rollstuhl, seine Frau Violet (Gena Rowlands) fühlt sich mit der Pflege überfordert. Der junge Anwalt der Familie (Peter Sarsgaard) bittet um Nachsicht mit der etwas biestigen Alten.

Ächzende Dielen, blinde Fensterscheiben, unter der Decke quietschende altersschwache Lampen - das Haus, von dem die Besitzerin auch gleich angibt, eine aus dem Norden könne es nicht verstehen, lebt. Ein verbotener Raum unterm Dach entpuppt sich der forschen Schwester als Lager diverser Utensilien zur Anwendung von Hoodoo, magischer synkretistischer Praktiken. Unterm Dach hat Ben seinen Anfall erlitten, Violet spricht von den Geistern einst gelynchter schwarzer Bediensteter, immer wieder fordert der stumme Alte seine Pflegerin auf, ihm zu helfen.

Und jetzt nimmt der antiquierte Thriller seine entscheidende Wendung zu den Konventionen des liberalen Teils der USA von heute. Inzwischen ebenso verängstigt wie weiterhin skeptisch, beschließt Caroline, auf Bens Hilfegesuche zu reagieren. Sie lässt sich auf den Geisterglauben und seine Praktiken ein, denn was Ben seiner Überzeugung nach krank gemacht hat, so ihre einfache Überlegung, müsste sich doch auch zur Heilung eignen.

Wohin Caroline damit kommt, macht Situationen, die gemeinhin als des Teufels Küche firmieren, alle Ehre. Doch als nach einer finalen Hoodoo-Zeremonie das Schwarze, das Fremde, die andere Rationalität Besitz von Carolines blassem Körper ergriffen hat, scheint sie es fast zu genießen. Kein Wunder, geht doch mit der Verwandlung ein sozialer Aufstieg einher. Und mit einem solchen Rätsel wird man gern aus dem Kino entlassen.

Christiane Müller-Lobeck


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