Billy ElliotBilly Elliot (Billy Elliot - I Will Dance), UK 2000, 112 Min. R: Stephen Daldry, B: Lee Hall, K: Brian Tufano, S: John Wilson, P: John Finn, Greg Brenmen, Choreographie: Peter Darling, D: James Bell (Billy), Jamie Draven (Tony), Jean Heywood (Grandma), Gary Lewis (Vater), Stuart Wells (Michael).
UIP, 30/11/2000

Leben, Tanzen, Sterben

Am Anfang war das Gefühl. Und deshalb logisch auch die Musik. Und das Tanzen. So die Essenz, die einem hier entgegenschwappt. Die Erfolgsstory von Billy Elliot, die mit allen emtionalisierenden dramaturgischen Mitteln erzählt wird, ist, wie sollte es in einem nordenglischen Bergarbeiterkaff mitte der Achtzigerjahre anders sein, eine mit existenziellen Hindernissen gespickte.

Das macht schon die Grundkonstellation: elfjähriger Junge, der in urprolrtarischster, also englischer Umgebung aufwächst, entdeckt sein Schicksal: er kann tanzen. Das heißt natürlich, er muss tanzen, denn dann lebt er. Das ist natürlich ein Problem. Die Konflikte, die sich daraus ergeben sind manigfaltig und alle sozial begründet: die anderen. Die anderen Jungs, die anderen Mädchen, der Verdacht, schwul zu sein, gegen den er sich immer wehrt, der Vater, der Bruder, die verstorbene Mutter, die soziale Herkunft eben. Einerseits wird die Wandlung von Billy, die immer natürlich erscheint, der letztlich immer seinem Herzen folgt, genau erzählt. Er will das richtige tun, er ist ein guter Junge. Andererseits grenzt es schon fast an ein Wunder, wie sich die hochpotenten Konflikte jedesmal zum Guten wenden. Der Vater, für den es unvorstellbar ist, dass sein Sohn Tänzer weren will, der keinerlei Bezug hat zu jeglicher Form darstellender Kunst, der noch nie das Nest verlassen hat, in dem er lebt und arbeitet und sterben wird, ist eines Nachts erleuchtet, als er Billy mit seinem Freund Michael in der Turnhalle entdeckt und auf einmal sein Talent erkennt. Sein Bruder kommt zur Raison, als er ihren Vater daraufhin beim Streikbrechen für Billy entdeckt. Die ganzen Kumpels legen Geld zusammen, dass Billy nach Newcastle fahren kann zum Vortanzen der Royal Ballet School. Davon kann man nur träumen.

Im Grunde ist Billy Elliot ein Musical: Melodram mit nicht zu überbietendem Happy End. Aber die Mischung aus englischer Sozialrealismus-Stilistik und Tanz, Tanz, Tanz ist letztlich viel herzerweichender als plakativer Melokitsch. Sie ist zeitgemäßer. Schade vielleicht, dass einige Score-Elemente und auch manches Musikstück nötig schienen, emtional zu unterstreichen, wo es gar nicht nötig war. Letztlich aber endlich mal wieder ein wirklich bewegender Film, der sich einem ins Gedächtnis gräbt. Eine Frage noch: "Was ist das für ein Gefühl, wenn du tanzt, Billy?". "Es ist wie .. ich verschwinde, wenn ich tanze. Es ist wie Elektrizität".

A propos:
www.monsieurcinema.com
(Trailer)
www.royal-ballet-school.org.uk (Royal Ballet School)
www.caritasdata.co.uk (Statistik)

Achim Wiegand


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