Risiko (Boiler Room)
Ben Younger, USA 1999

Der neunzehnjährige Seth, (Giovanni Ribisi), betreibt in seinem Haus ein illegales Spielcasino zum Zeitvertrieb der gelangweilten Suburbia-Jugend. Als sein Vater, ein angesehener New Yorker Richter, davon erfährt, macht er seinem Filius die Hölle heiß. Ron Rifkin spielt diesen Übervater, der davon überzeugt ist, einen Versager in die Welt gesetzt zu haben.

Als Seth das Angebot bekommt, als Telefon-Broker zu arbeiten, sieht er die Chance, seinen hassgeliebten Vater vom Gegenteil zu überzeugen. Leider muss er bald feststellen, dass er in einem sogenannten Boiler Room angeheuert hat. Hier werden wertlose Aktien per Telefon an ahnungslose Kleinanleger verkauft, so der Kurs in die Höhe getrieben und schließlich die eigenen Anteile gewinnbringend verkauft.

Der Film spekuliert offensichtlich auf die Machtphantasien junger Männer, wenn er Achtzehnjährige zeigt, die in perfekten Anzügen fremde Leute am Telefon geschickt manipulieren und dabei Teil einer loyalen Mann-Schaft sind. Eine einzige Frau spielt eine Rolle, die attraktive Rezeptionistin Abby. Seth lernt sie kennen, sie verlieben sich- doch das eigentliche Liebesdrama wird sich zwischen Seth und seinem Vater abspielen. Sobald dieser von den erneuten kriminellen Machenschaften seines Sohnes erfährt, beschließt er, diesen fortan nicht mehr als sein eigenes Fleisch und Blut zu betrachten. Seth gerät aber zunehmend in eine Zwickmühle zwischen moralischen Skrupeln, hat er doch bereits einige kleine Leute in den Ruin getrieben, und der Loyalität zu seinen Kollegen, die zu seinen Freunden geworden sind.

Er wendet sich ein letztes Mal an seinen Vater um Hilfe. Als er auf taube Ohren stößt, bricht er in Tränen aus und klagt den Patriarch all der Verletzungen an, die er seinem Sohn mit auf den Weg gegeben hat. Die Schlüsselerinnerung dabei: Als kleiner Junge hatte Seth einen schlimmen Fahrradunfall. Als sein Vater ihn auf der Straße liegend fand, hat er ihm ein Paar Ohrfeigen verabreicht. Als er das herausstößt, ist das Eis gebrochen, der Alte bereit zu helfen. In solchen Szenen liegt die Stärke des Films wie des Hauptdarstellers Ribisi, der schon in Richard Linklaters "Suburbia" in der Rolle des grübelnden und sensiblen jungen Mannes überzeugt hat. Und Regisseur Ben Younger zeigt ein Wissen um die Psyche dieser Spezies, das er sich sicher nicht erst im Bemühen um seine Hauptzielgruppe angeeignet hat.

Dass die endgültige Aussöhnung mit dem alten Arschloch dann tatsächlich kurze Zeit später in tränenreicher Umarmung gelingt, ist allerdings mehr als bitter. Wenn Männer weinen können, regeln sie auch das wie echte Kerle, viel Gerede, womöglich noch beim Therapeuten, war schon immer lästig. Die Freundin wird übrigens kurz darauf abserviert.

Dennoch wage ich den Verdacht zu äußern, das es sich hier um eines der vielen Zugeständnisse handelt, die der 27jährige Ben Younger bei seinem Debütfilm an die Produzentenvorgaben machen musste. In seinen nächsten Film werde ich gerne reinschauen.

Dirk Schneider



startseite drucken newsletter bestellen