American Psycho
Mary Harron, USA 2000

Weniger ist mehr - so scheint die Devise von "American Psycho", dem Film. Wer hinter der Verfilmung des Kultromans von Autor Bret Easton Ellis eine echte Slasher-Perle wähnt, der dürfte enttäuscht sein. Löste die literarische Vorlage bei Erscheinen noch endlose Diskurse über Gewaltverherrlichung und deren gesellschaftliche Implikationen aus, so erspart uns Mary Harron das direkte Sehen und setzt vielmehr auf wenige Details, die unsere Phantasie um so mehr auf Touren bringen. Symptomatisch dafür gleich das erste Bild: Dicke rote Tropfen sind zu sehen auf unnatürlich strahlendem Weiß. Blut, denken wir erwartungsfroh, denn schließlich kennen wir das Original. Die Kamera zoomt zurück, während die Musik anschwillt, gewährt schließlich den vollen Blick auf die ernüchternde Eleganz eines nahezu leeren haute-cuisine-Arrangements.
Die Welt des Patrick Bateman ist ein wahres Fegefeuer der Eitelkeiten. Er ist ein Schlitzer mit Waschzwang, ein Fetischist mit Markenkenntnis; er ist ein moderner Norman Bates im Designeranzug.
Genauso weich und bubenhaft nämlich sein Gesicht, so freundlich sein Auftreten; doch hier wie da möchte man keiner Dame raten, den neurotischen Herren ins Gemach zu folgen.
Patrick Bateman residiert anders als die Monster des Genres und auch als der gute Norman Bates in strenger, chromglänzender 80er Jahre Idylle, Gesellschaft leisten ihm der obligatorische Vhs-Videorecorder, seine Phil Collins-CD-Sammlung und eine Armada scharf-geschliffener Profi-Koch-Messer, die auch symbolisch sein Leben auf den Punkt bringen. Essen und Morden, das sind genau die zwei Leidenschaften, bei denen die gelangweilte noblesse von Bateman´s Gesichtszügen aufweicht und wahre Emotionen sichtbar werden.
Verständnis und Mitleid kennt Bateman nämlich nur dann, wenn die Reservierung im angesagtesten Restaurant der Stadt nicht zustandekommt, die wahre Potenzfrage in der Welt der 80er Jahre Wall-Street-Yuppies, die ihm schon mal den Schweiß auf die Stirn treibt

Mary Harron inszeniert Bateman zwischen klinischem Weiß und puristischer Kunst. Ausgedrückt werden soll damit wohl ein besonders extremer Kontrast zu seiner düsteren Gedankenwelt und dem blutrünstigen Morden. Was Roman Polanski mit "The Tenant" vergleichsweise exakt gelungen ist, nämlich die Spiegelung der seelischen Verfassung in der realistischen, aber immer unheimlicher werdenden Umgebung, läßt hier so kalt wie das Durchblättern eines ligne-roset-Katalogs. Auch die Tatsache, das Bateman immer üblere Gewaltkarrikaturen in sein Notizheft krakelt, und das eigentliche Morden surrealistisch in Frage gestellt wird, ist nicht aufregend oder tiefsinnig; hier bleibt das Kino genauso an seiner rein materiellen Oberfläche und seinen ungenutzten Möglichkeiten kleben, wie Bateman, auf dessen glatter Schale unser Blick nur ruhen, nicht aber tiefer dringen kann.

Christian Bale ist dafür aber eine wirklich gelungene Besetzung der Figur. Bale sieht aus wie ein sinnentleertes epiliertes Milchgesicht, das man in Anzüge von Cerrutti gesteckt hat.Trotzdem reicht diese optische Glaubwürdigkeit nicht aus, um aus "American Psycho" einen guten, oder gar einen Kultfilm zu machen. Die Regisseurin hat sich zu akribisch an die Originaldialoge gehalten, keine neuen Bedeutungsdimensionen angeboten und den suspense des Buches auch noch heruntergefahren. Ergebnis des Ganzen ist, dass man die Dialoge nach einigermaßen genauer Lektüre des Buches an besonders prägnanten Stellen fast mitsprechen kann und eigentlich die ganze Zeit nur darauf wartet, dass man endlich so gepackt wird, wie es beim Lesen des schier endlosen Marken-droppings im Buch verblüffenderweise geschah. Da kann man aber im Falle dieses Filmes lange warten.

Stefanie Maeck


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