Dobermann
Jan Kounen, Frankreich 1997

In diesem Film zählt die Geschichte nicht wirklich, deshalb will ich mich damit auch gar nicht lange aufhalten: Der "Dobermann" (gespielt von Vincent Cassel) ist kein Hund, sondern der gefährlichste und gerissenste Gangster Frankreichs, der mit seiner Bande von sadistischen Psychos einen Banküberfall nach dem anderen begeht. Der Polizei und ihren biederen Vertretern ist er himmelweit überlegen, doch als sich der faschistischste aller Bullen an seine Fährte heftet, wird es Ernst für den Dobermann und seine Bande, denn jetzt haben sie es mit einem ebenbürtigen Gegner zu tun. Die Konfrontation der Bösen gegen die Bösen kulminiert in einem ekstatischen finalen Massaker in einer total schrillen Technodisko, dessen Ausgang belanglos ist und von mir auch nicht verraten wird.

Was in diesem Film wirklich zählt, ist die Art der Inszenierung durch den Regisseur und ehemaligen Werbefilmer Jan Kounen und sie bildet eine willkommene und recht simpel provozierende Einladung an alle Kulturpessimisten dieser Welt:
Der Film strotzt nur so vor in MTV-Video-Clip-Ästhetik stilisierter Gewalt, die Figuren sind comichaft verzerrte Karrikaturen, die Grenzen zwischen gut und böse sind nicht einmal mehr verschwommen wahrzunehmen.
Der "Dobermann" ist eine aggressive, hektische Melange aus "Natural Born Killers", "Delikatessen" und Versatzstücken des Italowesterns, ein echter Junge-Leute-Film für die 90er also. Vielen Menschen scheint das zu gefallen, zumindest lief der Film beim Fantasy-Filmfest mit großem Erfolg.

Nun, ich bin kein Kulturpessimist und trotzdem fand ich "Dobermann" schlecht, denn bei mir stellte sich alsbald der Natural-Born-Killers-Effekt ein: das Blitzlichtgewitter auf der Leinwand langweilte mich entsetzlich. In seinem krampfhaften Bemühen um hohes Tempo und schicken Style rauscht der Film belanglos und glatt dahin. Vereinzelt auftretende intelligente Inszenierungseinfälle, wie z.B. die in verschiedene Fenster aufgeteilte Leinwand, sind dazu verdammt in allgemeiner effekthascherischer Beliebigkeit unterzugehen.

Ein schlimmes Wort, ein langweiliges Urteil, doch ich muß es sprechen: Weniger wäre hier mehr gewesen.
Ach Gott, obwohl wenn ich mir den Film nüchterner inszeniert vorstelle, kommt dabei auch nichts Gutes raus. Vielleicht sind Werbespots einfach das passendere Format für Jan Kounen.

Björn Vosgerau



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