Ein einfacher Plan
Sam Raimi, USA 1998

"Ein einfacher Plan" von Sam Raimi ist ein Film über das Böse. Denn der Plan ist weder einfach noch harmlos. Zunächst sieht er lediglich eine läßliche Unterschlagung vor. Es geht um 4 Millionen Dollar, die drei ungleiche Dorfbewohner in einem Flugzeug finden, das unbemerkt in einem à la Fargo verschneiten Hinterwald abgestürzt ist. Auf das drohende Unglück weisen allerdings schon in den ersten Bildern die in großer Zahl um den Schauplatz verteilten und überdeutlich in Szene gesetzten Raben hin. Der Film bekommt so im übrigen eine ironische Klammer. - Es sind der Moralist Hank, sein debiler Bruder Jacob und dessen Saufkumpan Loo, die durch den Fund in eine unerwartete Gemeinschaft geraten. Hank (Bill Paxton) freut sich anfangs nicht darüber - im Gegensatz zu den beiden anderen. Er ahnt die Gefährlichkeit der vermuteten kriminellen Quellen und möchte das Geld zurückgeben.

Doch Geld führt bekanntlich ein Eigenleben. Hundertdollar-Bündel haben magische Kräfte. Hank läßt seine Grundsätze genauso schnell fahren wie seine brave Frau (Bridget Fonda), die gerade das gemeinsame Baby austrägt. Zwischen Niederkunft und Kaminkuscheln hecken die beiden den perfekten, den simplen Plan aus. Das Geld soll bis zur Schneeschmelze versteckt werden. Hat bis dahin niemand danach gesucht, wird es verteilt, andernfalls verbrannt. Doch leider, leider ist die Wirklichkeit komplex. Unvorhergesehen Ereignisse müssen integriert werden. Es gibt Unfälle, es gibt Tote. Und außerdem blüht zwischen den Mitwissern das Mißtrauen. Sie schmieden gegeneinander Privatpläne. Die Polizei kommt ins Spiel. Um Hank vom Verdacht freizuwaschen, denkt sich seine Frau immer waghalsigere Finten aus, die viel Blut kosten. Das alles endet natürlich im Fiasko.

Simpler Plan, simpler Film. Simpel ist zum Beispiel die Eindeutigkeit der moralischen Entwicklung der Charaktere. Lassen die ehrlichen Bürger schnell ihre Anstandsmasken fallen und zeigen sie sich als regelrechte Werkzeuge des Bösen, so hat der notorische Säufer Loo einen guten Kern und entschuldigt später sich aufrichtig für seine Erpressungsversuche. Vielschichtig ist nur der Charakter des vermeintlichen Dorftrottels Jacob. Er entwickelt ungeahnte seelische Tiefe, in seinem Kosmos sind Freundschaft und Treue noch erfüllte Werte, auch wenn ihm das nicht bewußt ist. Seine überraschende Pfiffigkeit ist für manche spannungssteigernde Volte verantwortlich.

Trotz des konstruierten Schlusses ist "Ein einfacher Plan" durchaus unterhaltsam, weil einigermaßen spannend. Es ist aber kein neues Thema, das hier umgesetzt wird. Der vom Geld verblendete tragische Held stürzt sich nachtwandlerisch sicher immer tiefer in die Schuld. Die Wahrheit darüber sagt ihm sein unterentwickelter Bruder. Modern ist auch nicht die schlußendliche tantalische Strafe (sie ist schlimmer als der Tod). Diese Dinge sind in kräftig gemeinten, aber vergänglichen Bildern schematisch aneinandergereiht. Mit unentschlossenem Gestus, denn die erwähnte ironische Klammer hat sich zu meiner Ratlosigkeit nicht geschlossen. Ein blasser Film - abgesehen natürlich, nomen est omen, von der Figur des Jacob.

Jakob Hesler



startseite drucken newsletter bestellen