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Erin Brockovich Steven Soderbergh, USA 2000 "Julia Roberts ist Erin Brockovich", so lautet der vollständige Titel des neuen Films von Steve Soderbergh ("Sex, Lies and Videotape", "Out of Sight" und "The Limey"). Vielleicht soll das alle, die sich normalerweise keinen Film mit Julia Roberts ansehen würden, überzeugen, dass die Hollywood-Cinderella Nr. 1 es diesmal schafft, einen Menschen zu verkörpern. Und Soderbergh selbst scheint davon so überzeugt zu sein, dass er sogar die Umkehrgleichung führt und der echten Erin Brockovich, wenn sie im Film als Kellnerin im Steakhouse auftritt, ein Namensschild an die Brust heftet, auf dem "Julia" steht. Auch ich wollte an einem der ersten Frühlingstage in diesem Jahr keine 137 Minuten mit Julia Roberts im Kino verbringen, schon gar nicht in der Erwartung, sie ganz "Die Akte"-mäßig einen der größten Umweltskandale in der Geschichte der USA aufdecken zu sehen. Aber es sollte ganz anders kommen, als ich es erwartet hatte. Erin Brockovich ist Mitte dreißig, ledig und alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Außerdem ist sie arbeitslos und kurz vor der Verzweiflung. Mit ihrem nuttenhaften Outfit (Minirock, Leopardenoberteil, blondierte Haare, Jeansjacke und jede Menge Strass) und ohne Ausbildung sind ihre Aussichten auf einen Job aber entsprechend schlecht. Mit etwas List ergattert sie dennoch eine Stelle als Bürohilfe in einer Anwaltskanzlei. Ihr Äußeres und ihre freche Klappe machen sie nicht gerade zum Liebling ihrer Kollegen. Ihr ist das alles nicht so wichtig, es geht ihr nur darum, sich Essen, Miete und eine Tagesmutter für ihre Kinder leisten zu können. Als sie in den Unterlagen zu einer unspektakulären Immobilienangelegenheit auf ärztliche Gutachten stößt, beginnt sie, die sie sich immer am meisten für den menschlichen Aspekt der Dinge interessiert, genauer nachzuforschen. Schließlich deckt sie einen Umweltskandal auf, bei dem ein Konzern das Grundwasser einer Kleinstadt mit hochgiftigen Chromium verseucht hat, was zu jeder Menge Fehlgeburten, Krebs und anderen Krankheiten geführt hat. Sie überredet ihren Chef, den Anwalt Ed Masrey (Albert Finney), den milliardenschweren Konzern auf Schadensersatz zu verklagen. Erin, die sich für die Leidensgeschichten der Bewohner Hinkleys aufrichtig interessiert, gewinnt das Vertrauen dieser, wie sie selbst, einfachen und rechtschaffenen Menschen und schafft es so, die nötige Anzahl von Klägern zu mobilisieren, um der Klage überhaupt eine Chance zu geben. Jawohl, es menschelt in diesem Film ohne Unterlaß. Aber Julia Roberts ist nicht die Grundgute und Grundgütige. Sie bleibt zwar die wohlbekannte Figur "ruppige Lady mit dem Herzen am rechten Fleck". Ihre Kinder, darunter ein schreiendes Baby, sind aber weitaus mehr als Staffage. Sie werden als existentieller Bestandteil der Figur Erin Brockovich behandelt, ebenso ihr schäbiges Vorstadthäuschen und ihre haarsträubenden Klamotten. Für die gelungene, weil allgegenwärtige, aber sich nie anbiedernde Frühneunziger-Ausstattung hat Produktionsdesigner Ed Lachman übrigens, wie ich finde, einen Preis verdient. Auch die Liebe fehlt natürlich nicht in dieser Geschichte über das Leben. Sie nimmt Gestalt an im sympathischen Biker George, der zu Erins Geliebtem und bald zur Ersatzmutter wird, während diesmal die Frau nur noch in ihrer Arbeit aufgeht. Soderbergh zeigt Erin als große Egoistin, und er läßt sie ihren Preis dafür bezahlen. Das Leben ist nicht einfach in diesem Film, wenn auch einfacher als in Wirklichkeit, und als Liebeserklärung an eine einfache Frau und ihren Kampf um einen Platz in der Gesellschaft hat es dieser Film verdient, mit Scorseses "Alice doesn´t live here anymore" verglichen zu werden. Darüber hinaus ist "Erin Brockovich" ein Justizdrama, das fast völlig auf Gerichtsszenen verzichtet. Auch wenn die Kläger am Schluß triumphieren, verzichtet Soderbergh dankenswerterweise auf eine jubelnde Menge im Gerichtssaal. Es wird ein stilles Happy End, das wie eine Zugabe wirkt zu dem, was uns der Film bis dahin geboten hat und worum es in ihm eigentlich geht. So schön kann Hollywood sein. Dirk Schneider
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