Erleuchtung garantiert
Doris Dörrie, D 1999

Es geht die Legende, Doris Dörrie, auch als Hochschuldozentin tätig, habe sich mit ihren Studenten gestritten, die behauptet hätten, man könne mit einer Beta-Cam keinen Kinofilm drehen. Dörrie hätte erwidert, es ginge nur darum, eine gute Geschichte zu erzählen, und um den Beweis anzutreten, habe sie "Erleuchtung garantiert" gedreht. Schon erstaunlich, wie konservativ deutsche Filmstudenten sind, da muss schon eine Dörrie kommen, um mal etwas neues zu wagen.

Es ist die Geschichte zweier ungleicher Brüder, Gustav und Uwe, gespielt von Gustav-Peter Wöhler und Uwe Ochsenknecht. Der eine ist dick und unsicher, beschäftigt sich mit Ostasiatischer Philosophie und Religion und arbeitet als Feng-Shui-Berater. Hier hat Heiner Lauterbach mal wieder seinen unvermeidlichen Gastauftritt, diesmal als schwuler Schnauzerträger, der sich von Gustav in Inneneinrichtungsfragen beraten lässt. Uwe hingegen ist Einbauküchenverkäufer und lebt mit einer Horde Kinder in einer Familienhölle. Als er von seiner Frau verlassen wird, bricht seine Welt zusammen. Gustav, der einen Aufenthalt in einem japanischen Zen-Kloster geplant hat, lässt sich schließlich überreden, seinen ignoranten Bruder mit auf die Reise zu nehmen.

In Tokio lassen sie ihr Gepäck im Hotel, um die Stadt zu besichtigen. Leider finden sie das Hotel nicht wieder, und so sind sie nur noch mit einem Zen-Handbuch und einer Handicam bewaffnet. Dabei lernen sie auch ihre erste Zen-Lektion: Lerne, dich von materiellem Besitz zu befreien (oder so ähnlich, so genau habe ich mir das nicht gemerkt). Sie jobben sie in einer bayerischen Folklore-Kneipe und machen sich mit dem Geld schließlich auf den Weg ins Kloster.

Der Stab dieser Produktion bestand aus drei Leuten, nämlich Regie, Kamera und Ton. Zusammen mit den beiden Schauspielern haben sie sich auf die Reise gemacht, dabei besonders gern im Flugzeug, im Zug oder auf der Straße gefilmt, also überall da, wo es mit einem großen Team normalerweise schwierig ist zu drehen. Dazu kommt, dass etwa ein Drittel der Bilder aus Uwes Camcorder stammen soll. Meistens Großaufnahmen von Uwes Gesicht, während er seiner Frau erzählt, wie er sich gerade fühlt, mal wütend, mal flehend. Wenn der Verweis auf Cinema Verité berechtigt ist, auf dem Doris Dörrie besteht, um sich halbherzig gegen Dogma 96 abzugrenzen, wird einem auf unangenehme Weise noch einmal bestätigt, dass Ochsenknecht der Depp ist, für den wir ihn schon immer gehalten haben.

Man geht in diesem Film tatsächlich auf die Reise mit den Hauptfiguren, und das hat bisweilen etwas Spannendes. Nur fragt sich, wer mit zwei solchen Typen überhaupt verreisen möchte. Dörrie ist Spezialistin für intelligente und treffende Porträts deutscher Durchschnittstypen halte. "Erleuchtung garantiert" ist aber lediglich eine uninspirierte Mixtur aus Road-Movie, hipper Tokio-Ästhetik, östlicher Weisheit und deutschem Spießertum. Diese Elemente wirken zusammengewürfelt, anstatt dass sie sich aufeinander beziehen würden. Wenn Gustav und Uwe im Kloster am harten und asketischen Ritual der täglichen Verrichtungen leiden, entstehen daraus keine neuen Sinngehalte, sondern nur Strategien, wie die zwei Wochen besser rumzubringen sind.

Das Aufregendste an dem Film war sicher seine Produktion, und vielleicht war das auch sein Verhängnis. Dörrie hat mit ihrem Team nämlich tatsächlich zwei Wochen im Kloster gelebt, und alle fünf mussten sich in den Klosteralltag integrieren. Daraus hätte vielleicht ein interessanter Dokumentarfilm werden können. Die Realität aber wirksam und verständlich in die Fiktion umzusetzen ist leider nicht gelungen. Ein bisschen mehr Distanz zu seiner Geschichte hätte dem Film ganz gut getan. Und ein Drehbuch. Denn die Ausarbeitung der Dialoge hat die Regisseurin ihren Schauspielern weitgehend selbst überlassen. Das sollte noch mehr Wirklichkeit in den Film bringen, wirkt aber größtenteils sehr bemüht und ist zu oft belangloses Geschwätz.

Dirk Schneider



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