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Der General (The General) John Boorman, IRL/GB 1998 Morgengrauen über Dublin, im August 1994. Ein Mann verläßt sein Haus, winkt seiner Frau hinter dem Fenster noch einmal zu und setzt sich in sein Auto. Wie aus dem Nichts taucht ein junger Mann mit einer Pistole auf, grinst siegesgewiß und zielt. Der Mann im Auto schaut ein wenig verwundert, aber nicht sonderlich entsetzt, eher müde in den Lauf der Pistole. Dann drückt der junge Mann ab, zweimal, dreimal. Der General ist tot, das Opfer eines IRA-Attentates. Der General war Martin Cahill, Irlands tolldreister krimineller Volksheld, der alle an der Nase herumgeführt hat, aber auch wirklich alle. Als Junge bereits Kleinkrimineller aus Leidenschaft und Überzeugung, wird er als Erwachsener Profi. Wenn er abends auf Diebestour geht, fragt er seine Kinder vorher noch, ob sie spezielle Wünsche haben. Gemeinsam mit Leuten aus der Nachbarschaft seiner Kindheit bildet er schließlich eine Bande. Aufgewachsen in einem miesen Arbeitergetto, das der Abrißbirne zum Opfer fiel, bleiben die einzigen Menschen denen er vertraut, der gesellschaftliche Abschaum aus seinem alten Viertel. Mit dem ungebildeten, aber ausgefuchsten Cahill als Mastermind landen sie die größten Coups, die das Land bisher erlebt hat. John Boorman, der in seinem neuen Film "Der General" die Geschichte Cahills erzählt, zeichnet das Porträt eines modernen Robin Hood, ohne ihn zum Helden zu stilisieren. Cahill ist ein unglaublicher Querulant, der sich gegen alle Institutionen auflehnt und sich so nicht nur mit Staat und Kirche, sondern schließlich auch mit der IRA anlegt. Dabei ist sein Antrieb nicht Kalkül, sondern der leidenschaftliche Drang, es "denen" zu beweisen. Aber Cahills Leidenschaft ist auch eine fanatische Verbohrtheit, die ihn am Ende ziemlich alleine dastehen läßt. Mit dem Wissen um sein Ende, denn die Szene mit dem Attentat steht am Anfang des Films, bekommt Cahill für den Zuschauer trotz oder gerade wegen Boormans distanzierter Erzählweise etwas sehr tragisches. Cahill bleibt zwar ungebrochen bis zum Schluß, trotz massiver Drohungen durch die IRA und penetranter Schikane von Seiten der Polizei, die ihn monatelang rund um die Uhr bewachen läßt. Dennoch ist man sich die ganze Zeit darüber im klaren, daß die Stärke dieses Mannes nicht nur Gutes hat. Über Cahills Person ist nicht viel bekannt, er hat es immer gut verstanden, auch der Presse aus dem Weg zu gehen. Er ist in Boormans Darstellung auf Kriegspfad mit allen bürgerlichen Tugenden. Zwar ein ausgesprochener Familienmensch, lebt er mit zwei Schwestern in einer liebevollen Dreier-Ehe und hat von beiden eine ganze Horde Kinder. Neben der Taubenzucht interessiert er sich für alles, was sich zu Geld machen läßt. Und wenn er nach dem größten Gemälderaub der irischen Geschichte, bei dem er sich die besten Stücke sorgfältig ausgesucht hat, in einen auf dem Boden liegenden Alten Meister tritt, flucht er, daß er das Dreckszeug möglichst schnell wieder loswerden will. Gespielt von Brendan Gleeson, der als der "irische Gerard Depardieu" gehandelt wird, bekommt die Figur Cahills eine Präsenz, die einen über zwei Stunden nicht losläßt. Dennoch gelingt letztlich keine Identifikation mit ihr, und sie soll auch nicht gelingen. Man stolpert immer wieder über die Zwiespältigkeit dieser Person, erschrickt über die Abgründe, die sich da plötzlich auftun. Doch gerade die Zerrissenheit gibt der Figur eine Größe, die weit über die eines Filmhelden hinausgeht. Der Film ist in Schwarz-Weiß, und das gibt ihm oft etwas Fernes, wie eine Erinnerung, die an manchen Stellen vage bleibt. Man könnte ihn als einen Versuch über Martin Cahill verstehen, der nicht mit reißerischen Fakten daherkommt, sondern sagt: So könnte man es sich vorstellen. Daß über weitere Strecken auch eine Gaunerkomödie dabei herausgekommen ist, macht das Bild nicht unrealistisch. Man ist am Ende eher davon überzeugt, daß die besten Geschichten eben doch noch das Leben schreibt, und es nicht schaden kann, sich diese von John Boorman erzählen zu lassen. Dirk Schneider
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