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High Fidelity Stephen Frears, USA 2000 Den Plot von "High Fidelity" werde ich jetzt nicht nochmal erzählen. Wer das Buch nicht kennt, dem rate ich: Kauf es Dir, es kostet als Paperback etwa soviel wie eine nicht ermäßigte Kinokarte. Der Film geht zwei Stunden, mit Werbung, Hin- und Rückweg mußt Du mindestens drei Stunden einrechnen. Das Buch ist in vier bis fünf Stunden gelesen. Sicher kann man Literatur und Film nicht eins zu eins vergleichen. Und obwohl die meisten Filme nach literarischen Vorlagen entstanden sind, bemüht man nur selten eine Gegenüberstellung der beiden, soll doch gerade das Filmische in der Kinokritik gewürdigt werden. Die Filmfassung von High Fidelity leistet aber in ihren Bildern nichts, was über den Text hinaus geht, im Gegenteil. Sie ist eine Bild gewordene Kurzfassung des Romans, eine Art "Best Of" für Deppen. Der innere Monolog des Buches ist beibehalten, indem John Cusack alias Rob den Buchtext direkt in die Kamera spricht, und die Handlung des Buches wird stur abgearbeitet. Die Geschichte verliert anhand der filmbedingten Verkürzung lediglich an Tiefe. Um einen Charakter haben die Autoren das Drehbuch erweitert, nämlich um den des Dauersex habenden Nachbarn Ian, mit dem Robs Freundin Laura gleich am Anfang abhaut. Tritt Ian im Buch nie real in Erscheinung, müssen wir hier Gaststar Tim Robbins als überzeichneten Fernost-Esoteriker ertragen, der in diesem Handlungsrahmen niemandem sein Selbstwertgefühl streitig machen kann. Natürlich geht es um männliches Selbstmitleid und darum, daß die Monster, die das narzißtische Ich in die Welt projiziert, sich bei näherer Betrachtung nur allzu schnell als Scheinriesen entpuppen. Aber der Film läßt seine Protagonisten kein einziges Mal die Luft des wahren Lebens schnuppern. Das faszinierende an der Geschichte von Hornby ist gerade, daß der Protagonist es schafft, sein Plattensammler-Biotop von Außen zu betrachten und ihn das zunächst mit Entsetzen erfüllt, er aber schließlich in seinen natürlichen Lebensraum Plattenladen zurückkehren kann, weil er ihn als diesen erkannt und akzeptiert hat und jetzt endlich mit dem Leben weitermachen kann. Diesen Schock der Selbsterkenntnis kann der Film nicht vermitteln. Wo es bei Hornby heißt, es ginge nur um Musik und Frauen, aber jeder versteht, daß es um viel mehr geht, dreht sich der Film tatsächlich nur um Musik und Frauen. Das mit der Musik ist dann auch ziemlich gelungen, das mit den Frauen aber... Laura, Rob´s Ex, ist besetzt mit Iben Hjejle, der dänischen Schönheit aus Kragh-Jacobsens Dogma 3 "Mifune". Um ihr das etwas herbe der sozial engagierten Frau kleinbürgerlicher Herkunft mit feministischem Bewusstsein zu verleihen, hat man sich damit begnügt, Sonnenscheinchen Iben einen blonden Pony zu stutzen, mit dem sie ein bisschen hässlich aussieht, aber immer noch wie "eine Frau, von der man glauben kann, dass man sich in sie verlieben würde", so Stephen Frears. Oder: Wie der feuchte Traum eines jeden verklemmten Plattensammlers. Da hat jemand entweder gar nichts kapiert, wahrscheinlicher ist aber,dass auch hier wie beim gesamten Projekt ökonomisches Kalkül bestimmt hat, das ein Mindestmaß an blondem Sex in jedem Film verlangt. Dennoch unterhält der Film einen über die zwei Stunden hinweg bestens. Die Vorlage könnte allerdings unterhaltsame Details für noch zwei Filme liefern. Aber in ihrer Comic-Haftigkeit sind die Filmcharaktere gut und liebevoll ausgearbeitet. Jack Black spielt den fiesen Plattenverkäufer Barry so virtuos wie ein professioneller Alleinunterhalter und nicht wie ein einsamer Nerd, und damit zwar nicht besser, aber lustiger. Und wer den Soundtrack des Buches mangels musikalischer Bildung nicht im Kopf hat, bekommt hier wenigstens die passende akustische Unterlegung geboten. Von daher ist die Filmfassung eindeutig weniger elitär als das Buch. Was aber ganz sicher auch kein Pluspunkt ist. Sollte jedenfalls Cusack irgendwann im kollektiven Gedächtnis das Bild von Rob ausfüllen, wäre das sehr bitter für alle Plattensammler, die um den Ernst ihrer Obsession wissen. Dirk Schneider
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