Hollywood CopsHollywood Cops, USA 2002. R: Ron Shelton, B: Robert Souza und Ron Shelton, K: Barry Peterson, Schn: Paul Seydor, Pr: Lou Pitt, Ron Shelton, D: Harrison Ford, Josh Hartnett, Lena Olin, Bruce Greenwood, Lolita Davidovich u.v.a
Bundesstart: 11.09.2003, Verleih: Columbia

Entschleunigt

Nur ein Blinzeln lang hielt sich Ron Sheltons letzter Streifen "Dark Blue" im Kino, da folgt schon der nächste, mit kaum größeren Erfolgschancen. Statt zu holzschnittartigen Sportlerporträts vom Schlage "Weiße Jungs bringen's nicht" und "Home Run" zurückzukehren, die ihm in den neunziger Jahren eine gewisse Reputation verschafft haben, nimmt sich Shelton wieder das Polizistenmilieu vor. Nicht als blei- und zotengesättigte Korruptionsstudie wie in "Dark Blue", sondern als überwiegend elegische Komödie zweier Detectives mit pekuniären Problemen. Neben Jungstar Josh Hartnett spielt Veteran Harrison Ford, der vielleicht nie besser war.

In "Hollywood Cops" ist vor allem Hollywood ein rätselhafter Fall. Es ist allgegenwärtig und nirgendwo. Im Trickstoppverfahren rücken die riesigen weißen Buchstaben aus den Hügeln vor. Leuchtschriftzüge in allen Größen und Varianten lösen sie ab, an Grillständen, Tankstellen, Studioportalen. Dem mythischem Ort fehlt eine präzise geographische Lokalisierung. Entsprechend fällt es den Bewohnern schwer, sich zurechtzufinden - zu wissen, auf welcher Seite der Scheinwelt sie stehen.

Da es für den angegrauten Polizisten Joe Gavilan (eben Harrison Ford) und seinen jungen Partner K. C. Calden (Josh Hartnett) kein Auskommen mit dem Einkommen gibt, müssen sie nicht nur hinter den Kulissen aufräumen, sondern nebenberuflich auch den Reichen und Schönen dienen. Gavilan müht sich mehr schlecht als recht als Immobilienmakler, Calden erteilt Yoga-Unterricht für weibliche Nachwuchs-Sternchen. Dabei schielt er selbst auf eine Filmkarriere, bereitet sich auf Castings vor und beraumt eine Inszenierung von "Endstation Sehnsucht" an, die Talentscouts von seinen Darstellerqualitäten überzeugen soll. Während Calden von seinen Schülerinnen umschwärmt wird, hält Gavilan seine Affäre mit der reifen Schönheit Ruby (Lena Olin) am Laufen.

Für einen kleinen Film, der so leise von melancholischen Stimmungsnuancen bewegt wird wie Palmenblätter von sanften Brisen des Ozeans, passiert in "Hollywood Cops" also schon ziemlich viel. Zusätzlich will Lieutenant Bennie Macko (Bruce Greenwood) von der internen Ermittlung Gavilan und Calden anschwärzen. Dank ihrer Nebenjobs erweist sich das Duo gegenüber seinen Verhörmethoden allerdings immun. Der eine muss so oft geschäftlich ans Handy, dass kein zusammenhängendes Gespräch zustande kommt. Der andere "macht den Baum", bis seine Befragerin ihm die Stelle zeigt, an der es ihr schon viel zu lange sooo weh tut...

Wozu da noch die ‚Gangstarr'-Story, derzufolge eine Rap-Formation von maskierten Killern niedergemäht wird?

Erstens sammelt der Film so Berührungspunkte zwischen Show und Gewalt. Mordverdächtige erhalten aus Versehen (oder auch nicht) Immobilienangebote statt Vorladungen. Und Calden bejubelt zwei Top-Performances auf einen Schlag, nachdem er durch schauspielerisches Können dem Mörder seines Vaters ein Geständnis entlockt und gleichzeitig aufgezeichnet hat. Zweitens: Je unwirklicher und härter das mörderische Rapper-Milieu, umso realistischer und liebenswürdiger die Skurrilitäten der Cops. Wie Gavilan zwischen Liebesspielen, nackt und eine dunkle Sonnenbrille auf der Nase, sehr langsam einen Doughnut zum Mund führt und genussvoll hineinbeißt, gewinnt ebenso den Charme des Selbstverständlichen wie Caldens Schreie nach "Stella !!!", wo immer er Gelegenheit hat, sein Textbuch aufzuschlagen. Dann vergisst man, Angehörigen einer aussterbenden Helden-Spezies in einem Spätestwestern zuzusehen, die ihre nächste Leiche passenderweise zwischen den Rindviechern eines Corrals in Augenschein nehmen.

Andreas Günther



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