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Junk Mail - Wenn der Postmann gar nicht klingelt (Budbringen) Pål Sletaune, Norwegen 1997 "Skurril, Skurril, Skurril!" ruft uns der Film des norwegischen Regisseurs Pal Sletaune entgegen, und: "Kaurismäki, Kaurismäki, Kaurismäki!" Ein ungepflegter kleiner Postbote im häßlichsten aller möglichen Oslos verliebt sich aus der Ferne in eine stumme Schöne mit Geheimnis. Er kommt zufällig zu ihrem Wohnungsschlüssel und durchsucht heimlich ihr Domizil (daher der deutsche Titel), wobei er sie eines Tages halbtot aus der Badewanne zieht, in der sie vollgepumpt mit Schlaftabletten liegt. Der Selbstmord sollte sie von ihrem schlechten Gewissen erlösen, daß sie wegen der Teilnahme an einem gewaltsamen Raubüberfall quälte. Die Beute steckt sich der Postbote ein und kriegt deshalb Ärger mit ihrem skrupellosen Komplizen und so manchen anderen schrägen Typen. Dieser Film möchte eine bizarre schwarze Komödie sein und ist eigentlich eine Austattungsorgie. Jede Einstellung strotzt nur so vor schlammgrüner, mühsam ausgestellter Häßlichkeit, die Kamera ist den Hautunreinheiten der Figuren immer dicht auf der Spur. Fettige Haare, Kotze und Raviolis kennzeichnen das äußerst angestrengt vertretene, einfallslose antiästhetische Programm des Filmes. Was "Wenn der Postmann gar nicht klingelt" als einziges gelingt, ist die eindrucksvolle Demonstration davon, was Epigonentum ist. In meinem Fremdwörterlexikon heißt es unter Epigone: "Jemand, der Vorhergehendes unschöpferisch nachahmt oder anwendet." Das trifft exakt, wie der Versuch Sletaunes den Stil Karausmäkies nachzuahmen, in einer hohlen Geste endet. Nun, ich will fair sein, das ist Karausmäki selbst schon passiert, z.B. mit "Tatjana". Aber jüngstens ist es ihm eben auch wieder gelungen, seinen Stil nicht zum Selbstzweck werden zu lassen, und zwar mit dem wundervollen Film "Die Wolken ziehen vorüber". Selbst eingefleischte Bewunderer karausmäkiescher Lakonie und Häßlichkeit, die demnach wahrscheinlich auch an "Wenn der Postmann gar nicht klingelt" mehr finden werden als ich, müssen mir zugestehen, daß er trotzdem nie und nimmer das Niveau des letzten Meisterwerkes des Finnen erreicht. Das Lustigste für mich war, daß der zuhälterhafte Komplize des Mädchens meinem ehemaligen Fahrlehrer auf das Haar glich. Aber ob Euch das Freude bereiten wird? Mein Urteil: Nur was für echte Karausmäki-Fans, die mit "Junk Mail" irgendwie notdürftig die Pause bis zum nächsten eigenen Film ihres Meisters überbrücken wollen! Björn Vosgerau
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