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Das Leben ist ein Chanson (On connait la Chanson) Alain Resnais, Frankreich / Schweiz / England 1997. Der Titel ist Programm in diesem jüngsten Film des Altmeisters des Franzosenkunstkinos Alain Resnais. Mit "Hiroshima, mon Amour" und "Letztes Jahr in Marienbad" ist er Ende der 50er zu einem der Helden des europäischen Filmes geworden, zuletzt hat er durch die Filme "Smoking/Non-Smoking" 1993 auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt nun präsentiert Resnais uns ein Singspiel um die menschlich-allzumenschlichen Sorgen einiger mittelalter Bürger im Paris von heute. Genauer gesagt handelt es sich um sechs Hauptfiguren, vier Männer und zwei Frauen, die alle auf unterschiedliche Art und Weise miteinander verbunden sind und die gerne mal, und das ist die Idee am Film, auf offener Szene in einem der zahllosen Dialoge zu singen anfangen. Also, es wird nicht nur viel gesprochen, sondern auch viel gesungen, und zwar Schlager. Die abgehandelten Themen sind klassisch französisch: die Liebe, das Leben, die Freundschaft etc., neuerdings auch die Arbeitslosigkeit. Durch den Einfall mit den Schlagern entgeht "Das Leben ist ein Chanson" zweier meiner Lieblingsvorwürfe gegen französische Filme: Zum ersten wird somit jede Spur von Pathos aus dem Film gebannt, da man immer wieder unwillkürlich schmunzeln muß, wenn z.B. der unglücklich Verliebte plötzlich mit Gilbert Becauds Stimme die Begehrte als "Nathalie" anschmachtet. Zum zweiten werden die Figuren und ihre Konstellationen nicht zu ernst genommen, sondern zumindest zum Teil als Stereotypen entlarvt. Hier beweist Resnais Geschick, denn seine Lust an der Entlarvung ist gepaart mit einer großen Sympathie für seine Figuren einerseits, den Schlager andererseits. So bleiben die Charaktere lebendig auch hinter den Texten des Alltags, die Resnais zwar als vorgefertigte Klischees enttarnt, aber für deren Poesie und triviale Wahrheit er zugleich eine Lanze zu brechen versucht. An dieser Stelle würde ich eine Parallele zu Guildo Horn ziehen, der ein ähnliches Projekt in Bezug auf den deutschen Schlager verfolgt. Meinem dritten grundsätzlichen Vorwurf gegens Franzosenkino aber entgeht "Das Leben ist ein Chanson" nicht wirklich: Er ist etwas langweilig und dröge. Dies nicht nur durch die vielen, vielen Dialoge, sondern auch durch die drastische Sparsamkeit in der Inszenierung, die Resnais sich auferlegt hat. In dieser extremen Reduktion der Mittel kommt der Film fast einer Theaterverfilmung nahe, so sehr wird auf jede Dynamik beispielsweise durch Montage oder Kamerabewegungen verzichtet, zugunsten eines allgemein sehr statischen Stiles. Das kann Resnais dreimal so kalkuliert haben (hat er natürlich), mir persönlich fehlt das Spektakel. Und wer jetzt meint, sowieso eine gewisse Reserviertheit gegenüber dem französischen Film bei mir rausgehört zu haben, der hat recht. Ich wollt halt mal etwas programmatisch werden. Dafür kann nun aber wiederum "Das Leben ist ein Chanson" nichts, der im Original "On connait la Chanson" heißt und in Frankreich sehr, sehr erfolgreich lief, viele, viele Zuschauer hatte und viele, viele Preise gewonnen hat. Björn Vosgerau
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