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The Limey Steven Soderbergh, USA 1998 Regisseur Steve Soderbergh ("Sex, Lügen und Video", "Out Of Sight") gibt zu, "The Limey" "als sehr simples Revenge-Movie" geplant zu haben. Dass die Geschichte sehr einfach gestrickt ist, sollten wir ihm also nicht vorwerfen, da ihm offenbar etwas anderes wichtig war. Der Plot sei kurz zusammengefasst: Wilson, ein britischer Krimineller, gespielt von Terence Stamp, hat neun Jahre wegen bewaffneten Raubüberfalls gesessen. Jetzt kommt er nach Kalifornien, um den Tod seiner Tochter zu rächen. Dabei trifft er auf Valentine, gespielt von Peter Fonda, einen Plattenproduzenten, der sein Vermögen in den Sechzigern mit Flower Power gemacht hat. Er hat einen ausgesuchten Geschmack, auch was Frauen betrifft, und er hat Wilsons Tochter Jenny geliebt. Wilson sieht rot, und Valentine zittert. Mit Terence Stamp und Peter Fonda lässt der Amerikaner Soderbergh zwei Ikonen der Sechzigerjahre aufeinander treffen, die damals für zwei völlig unterschiedliche Jugendkulturen standen. Stamp war der Typ Angry Young Man mit Arbeiterklassen-Bewusstsein, Fonda der Hippie aus dem sonnigen Kalifornien. Beide Typen erkennt man in "The Limey" wieder. Stamp alias Wilson kommt mit Jeans und Blouson ganz in Schwarz daher und wirkt trotz seines Alters noch ziemlich tough. Fonda/Valentine bevorzugt helle Stoffe, lebt in einer lichtdurchfluteten Villa in den Bergen über Los Angeles (wobei Soderbergh wieder einmal seiner Vorliebe für luxuriöse Interieurs in allen Einzelheiten nachgeht) und ist stets mit Zahnseide um das Weiß seines Lächelns bemüht, das früher einmal strahlender gewesen sein muss. Mit The Limey, einem Slangausdruck für "Engländer", ist übrigens Wilson gemeint, und in der Originalversion soll er auch breites Cockney sprechen. Schön ist es zu beobachten, wie unsicher er sich bewegt, zum einen nach neun Jahren Gefängnis, zum anderen als Brite fern der Heimat. Diese Unsicherheit versucht er mit nackter Gewalt wettzumachen, was erschreckend ist, aber gelingt. Dabei wird er uns nicht als knallharter Kerl verkauft, sondern lässt immer eine tiefe Verletzlichkeit durchscheinen. Man fragt sich, ob seine immer auch leicht tuntige Art gespielt oder Terence Stamps Markenzeichen ist. Selbst hier erinnert er oft an die Rolle des gealterten Transvestiten den er in "Priscilla - Die Königin der Wüste" gespielt hat. Eine Geschichte, die Wilson immer wieder über seine Tochter erzählt, ist, wie sie als Kind bereits die kriminellen Machenschaften ihres Vaters satt hatte und stets damit drohte, die Polizei zu rufen. Es wird sich herausstellen, dass sie nur Angst hatte, ihn zu verlieren. Aus demselben Grund hat sie auch eines Tages gedroht, Valentine zu verpfeifen, der bis zum Hals in krummen Geschäften steckt. Valentine, der sich auch nicht so abgebrüht ist, wie man zunächst vermutet, hat daraufhin etwas zu fest zugeschlagen. Als Wilson Valentine nach dem großen Showdown schließlich Auge in Auge gegenübersteht, beziehungsweise auf ihm kniet, muss er einsehen, dass er am Schicksal seiner Tochter selbst nicht ganz unschuldig ist. Als erzählerisches Stilmittel hat Soderbergh sich eine ziemlich krude Vermischung der Zeitebenen ausgedacht, die sich später als die Erinnerung Wilsons an die Ereignisse herausstellt. Das ist aber leider nur verwirrend, wirklich nicht mehr. Schönes Ergebnis der subjektiven Perspektive Wilsons sind allerdings seine Erinnerungen an früher. Zu deren Illustration hat Soderbergh Szenen aus Ken Loachs Film "The Poor Cow" von 1967 reingeschnitten, in dem Stamp einen jungen kriminellen Familienvater spielte. Diese Szenen wirken so glaubhaft, zumal man Stamp darin als jungen Mannn wiedererkennt und sich auf dieser Ebene eine Wirklichkeit in die Fiktion einschleicht, dass es einfach ergreifend ist. Deswegen und wegen seiner großartigen Besetzung ist "The Limey" unbedingt ein sehenswerter Film. Dirk Schneider
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