 | | Die Lady und der Herzog, (L´Anglaise et le duc), F 2001. R: Eric Rohmer, K: Diane Baratier, P: Francoise Etchegaray, S: Mary Stephen, Kulisse: Jean- Baptiste Marot, Kostüme: Pierre-Jean Larroque, T: Pascal Ribier, D: Lucy Russel, Jean-Claude Dreyfus uva. Tobis, 21. März 2002 | | |
Nur die Liebe fehlt... Rohmer hat es wahrscheinlich gut gemeint. Sicher wollte er nicht noch einen jener Historienfilme drehen, in denen das Universelle und Zeitenthobene der Weltgeschichte mit der Partikularität einer kleinen, kitschigen Liebesgeschichte schlecht gewürzt wird. Er wollte nicht zeigen, wie die Liebe die Zeiten überdauert und alle vergleichbar macht. Er erzählt deshalb die Geschichte von einem Herzog und einer Lady, die zu den Wirren der französischen Revolution über die Tagespolitik reden, reden, und nochmals reden. Beizeiten hebt einer den Arm, nimmt einen Schluck aus dem Likörglas. Beide sind sie furchtbar nett und anständig. Den Laclos, Autor der "liaisons dangereuses", mögen sie gar nicht. Aha. Wie auch die übrigen Figuren agieren sie in gemalten Kulissen, die dem Unternehmen etwas so grotesk theatrales und ambitioniertes verleihen, daß das Auge für Momente verzweifelt und ungläubig stockt. Und doch: Rohmer meint es ernst. Der Film entfaltet eine seltsame Spannung zwischen den Innenräumen, die der Zeit enthoben wirken und kammerspielartig genutzt werden, und dem Außen der pastelligen Pappkulissen, in denen das rote Blut der Revolution fließt. Eine Unzahl von Namen wird aufgeboten, alle intrigant miteinander verstrickt, nach der Hälfte des Films hat man sie jedoch in einem Wust vergessen. Die Lady ist nicht mehr die jüngste an Gesicht und Tagen. Stets legt sie ihr Antlitz in besorgte Falten, wenn die illustren Köpfe wieder rollen. Sie ist Royalistin, der Herzog nicht. Dafür ist er fettleibig und wiederholt in jeder erdenklichen Situation, wie viel er für sie tun wolle, wenn er nur könnte, und daß alles so schwer sei. Draußen kreischt der Pöbel und will dem gefräßigen Adel endlich an den Kragen. So wird Datum über Datum der Terreur-Herrschaft abgehakt, ein junger, unglücklicher Mann versteckt, und man lauert förmlich auf die Liebesgeschichte "jüngerer Mann trifft ältere Frau", die sich nun entspinnen möge. Doch Rohmer kennt kein Erbarmen. Er läßt uns weiter im Dunklen über der Frage gähnen, ob doch noch eine richtig schöne "amour fou" vor dem roten Himmel der Revolution abfackeln wird. Aber dafür müßte die Dramaturgie endlich heranrauschen, und weit und breit ist keine geeignete Figur zu sehen. Der Herzog fällt auch aus, da beide schon mal eine liaison hatten, nur sicher keine gefährliche. Nach geschlagenen zwei Stunden weiß man: Außer reden ist nichts gewesen. Die Frage bleibt, warum Rohmer diesen äußerst merkwürdigen Historienstreifen gemacht hat. Fakt ist: Er hat die Langeweile zu weit getrieben - aber vielleicht haben ja Geschichtslehrer Interesse an so schönem Anschauungsmaterial. Wir müssen wohl noch mal den leuchtend roten Himmel der Südstaaten in den Videorecorder legen und unsere romantischen Sehgewohnheiten mit dem Winde einfach davonwehen lassen... Denn was wirklich zählt, sind geschichtliche Fakten. Danke, Eric Rohmer. Stefanie Maeck
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