Mad City
USA 1997, Costa-Gavras

Armes Fernsehen: jetzt hat dich der Altmeister des Politthrillers, Costa-Gavras, am Wickel! Und in seiner Schelte ist er unerbittlich.

Verpackt ist die radikale Medienkritik in die Geschichte von dem Journalisten Max Brackett (Dustin Hoffman) und dem Museumswächter Sam Baily (John Travolta).
Max ist ein eiskalter Profi, der in sich aber zwischen Karrieregeilheit und Berufsethos zerrissen ist. Vor Jahren wurde ihm das zum Verhängnis, als er bei einer Liveübertragung seine wahren Gefühle nicht verbergen konnte. Deshalb muß er nun bei einem Lokalsender über von der Schließung bedrohte Museen berichten. Als er dort zufällig erlebt, wie der gerade gefeuerte Wachmann Sam verzweifelt und verwirrt mit einem Gewehr auftaucht, wittert Max seine Chance und sendet live vom Ort des Geschehens. Der verdatterte Sam merkt erst Minuten später, daß über ihn im Fernsehen bereits als Geiselnehmer berichtet wird. Erst dann entdeckt er Max auf der Herrentoilette. In der Hektik löst sich ein Schuß und Sams ehemaliger Kollege wird getroffen. Max hat seine Story: ein um sich schießender Verrückter, der zwei Frauen und mehrere Kinder in seine Kontrolle gebracht hat.

Sam ist ein einfältiger, liebenswerter Kerl und der Situation keineswegs gewachsen. So avanciert Max zu seinem Medienberater und versucht ihm durch ein großangelegtes Spektakel ein möglichst günstiges Image zu verpassen. Er gewinnt ein persönliches Interesse an Sam, doch als sich die Stimmung gegen sie wendet und die großen Sender sich einschalten, eskaliert die von ihm erst initiierte Geschichte und die Katastrophe wird unabwendbar.

Im Kampf der großen Sender um Geld und Zuschauer tauchen die Menschen nur als Waren auf. In den schrillen, marktschreierischen Manipulationen des Fernsehens hat die Wahrheit keine Chance. So weit, so gut.

Bevor man aber den moralischen Zeigefinger so sehr reckt, wie Costa-Gavras, sollte man auch die eigenen Mittel der Bildproduktion reflektieren. Denn es gelingt ihm nicht, sein Bedürfnis die Filmfiguren ernst zu nehmen, anders als hochgradig konventionell zu inszenieren. Costa-Gavras selbst scheut sich nicht vor den plumpesten, manipulativsten Mitteln, z.B. einer grauenvollen, gefühlstriefenden Musik in Momenten menschlicher Annäherung. Dagegen besteht er mit vollem Ernst gegenüber den bösen Konstruktionen des Fernsehens und seiner rücksichtslosen Agenten auf der wahren Version des Geschehenen, meiner Meinung nach ein in einem fiktionalen Film geradezu absurdes, weil sich notwendigerweise selbst bestätigendes Unternehmen.

Etwas mehr Zynismus als Gegenmittel gegen Holzhammerpädagogik und eingebildete moralische Überlegenheit hätten “Mad City” sicherlich gut getan.

Björn Vosgerau



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