 | | Ocean`s Eleven, USA 2001, 116 Min. R: Steven Soderbergh, B: George Clayton Johnson, Jack Golden Russell, Ted Griffin, S: Stephen Mirrione, M: David Holmes, P: Jerry Weintraub, D: George Clooney, Matt Damon, Julia Roberts, Andy Garcia, Brad Pitt, Don Cheadle, Carl Reiner u.a. Warner Bros, 10. Januar 2002 | | |
Gritty Shaker "Ocean's Eleven" ist ein Gangsterfilm. Eigentlich ein Film noir, ein später Klassiker seines Genres. 1960 wurde er von Lewis Milestone gedreht, der mit einem wohl größeren Klassiker, "Anything Goes", 1939 seinen internationalen Durchbruch schaffte. In den Hauptrollen damals: Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr. Der Kriminelle als Held, das Verbrechen als Abenteuer und Mutprobe, der berühmte große Coup als legitime Form der Selbstjustiz inszeniert. 41 Jahre später wird der Stoff neu verfilmt. Steven Soderbergh besetzt die Hauptrollen mit George Clooney, Brad Pitt und Julia Roberts, paßt das Skript den veränderten Gegebenheiten an und inszeniert "Ocean's Eleven" als Komödie. Nicht Veteranen des 2. Weltkriegs, eine Gaunerelite wird angworben. Nicht mehr fünf verschiedene Casinos sind das Ziel des "verrückten Plans", sondern drei, die über einen zentralen Tresor verfügen und alle dem jetzigen Ehemann der Ex-Frau gehören. Die Story wird um einige HiTek-Details angereichert, aber in ihrer Struktur vereinfacht. Die "Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt"-Dramaturgie des Originals wird forciert. Und Soderbergh bedient sich einmal mehr des einzigartig swingenden und wunderbar soundtracktauglichen Downbeats von David Holmes ("lets get killed", 1997) und schleift so ein glattes Stück Hochglanzzelluloid zurecht, das in den 90ern kultverdächtig gewesen wäre. Das Drehbuch ist zweifelsfrei slick. Ted Griffins Fassung des einst auf Frankie Boy zugeschusterten Stoffs stellt das Zusammenspiel der Figuren in den Mittelpunkt. Keine der elf Figuren wirkt übermäßig klischiert (mit Ausnahme vielleicht der zwei Autoknacker-Brüder, die durchaus mit Cheech und Chong konkurrieren könnten). Sie sind vielfältig motiviert, Rache, Spieltrieb, Selbstbestätigung, aber alle scheinen nur auf ihr Ticket zur Hölle gewartet zu haben. But remember: the devil always comes in disguise. Und hier heißt die Maske Danny Ocean, respektive George Clooney. Dessen Gesicht verspricht Vergnügen ohne Reue. Aber, auch wenn das seine Kollegen überzeugt, wird es genügen, um die Ex-Frau zurückzugewinnen? Diese Frage tritt in der Mitte des Films verschärft in den Mittelpunkt. Vielleicht ein kleiner dramaturgischer Schönheitsfehler. Die Ex-Frau heißt jetzt nicht mehr Beatrice, sondern Tess, und Julia Roberts verkörpert diese Frau gewordene Ideologie des Kapitalismus in Perfektion. Sie ist jetzt mit dem Besitzer der drei fettesten Casinos von Las Vegas leiert, und warum sollte sie den Sprüchen ihres Ex-Mannes da noch glauben? Aber weil Georgie Boy nicht nur schön, sondern auch klug ist, und weil Brad Pitt auf ihn aufpaßt, und weil überhaupt alle elf das Spiel so sehr gewinnen möchten, geschieht das Wunder. Oh Wunder. Wäre Kino Theater, wäre "Ocean's Eleven" von Steven Soderbergh ein sicherer Abonnenten-Erfolg. Achim Wiegand
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