Out of Sight
Steven Soderbergh, USA 1998

Steven Soderbergh ist bekannt als Regisseur von 'Sex, Lies and Videotapes' und hat sich jetzt, dem Vorbild Tarantinos folgend, an die Verfilmung eines Elmore Leonard Romans gewagt. Ähnlich wie in 'Jackie Brown' geht es auch in 'Out of Sight' um eine Frau und einen Mann, die beide fest diesseits, bzw. jenseits des Gesetzes stehen. Als sie auf den ersten Anblick hin in großartiger Liebe füreinander entflammen, behalten sie einen klaren Kopf und überbrücken die Distanz zwischen ihren Lebensumständen nicht in loderndem Pathos oder hehrem Opfertum. Tarantino spielt zwar fraglos in einer anderen Liga als Soderbergh, nichtsdestotrotz ist 'Out of Sight' sehr angenehmes Kino.

Angenehm ist, daß die Geschichte des Charmbolzen an Bankräuber, der während eines Gefängnisausbruchs zufällig eine FBI-Mitarbeiterin als Geisel erwischt und mit ihr zusammen - die Hand auf ihrem Schenkel und heftig flirtend - im Kofferraum des Fluchtwagens landet, daß diese Geschichte also mit ausgesprochener Gelassenheit weitergesponnen wird. Wie Sie fliehen kann, Ihn später jobtechnisch aufspürt und ziehen läßt, wie Er in ihrer Nähe bleibt und Sie aufstöbert, wie beide zusammenkommen und bald darauf doch wieder als Räuber und Gendarmin sich gegenüberstehen.

Auch angenehm, daß Soderbergh selbstbewußt genug ist, sich einerseits hinsichtlich seiner Originalität nicht zu überschätzen (die 'Jackie Brown' Zitate zum Beispiel sind eher Huldigung als Epigonentum), andererseits aber genug Stilsicherheit besitzt, um unverkrampft einen an Effekten armen Duktus durchzuhalten. Die Farbdramaturgie, die Dialoge, die Kameraspielereien, die schon fast obligatorischen Zeitschleifen und nicht zuletzt die Besetzung der Hauptrollen durch einen unverschämt sexy George Clooney und eine unverschämt sexy Jennifer Lopez bezeugen gekonnte Entertainmentfähigkeit, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Allein der auffällig unauffällige BarSoulTingelTangel ist mir ein bißchen auf die Nerven gegangen, aber das bleibt eine Fußnote.

Am besten gefallen hat mir in 'Out of Sight' jedoch, daß sich hier zwei intelligente, erwachsene Menschen ganz ohne psychologisierendes Brimborium ihre gegenseitige Liebe in klare Worte übersetzen durften. Im amerikanischen Kino eine Seltenheit und schon deshalb sehenswert.

Urs Richter



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