Open Your EyesOpen Your Eyes, (Abre Los Ojos), Spanien/ Frankreich/ Italien 1997, 117 Min. R + B + M: Alejandro Amenábar, B: Mateo Gil, M: Mariano Marin, K: Hans Burmann, S: María Elena Sáinz de Rozas, P: José Luis Cuerda, Fernando Bovaira, D: Penélope Cruz, Eduardo Noriega, Chete Lera, Fele Martinez, Najwa Nimri, u.a.
Helkon, 24. Januar 2002

Zu schön, um wahr zu sein

Wenn es stimmt, daß das Aussehen auch das Bewußtsein in der Welt bestimmt, dann erklärt Sartres Häßlichkeit sehr viel an seiner pessimistischen Existenz-Philosophie. Doch, daß Sartre keine Frauen hatte, kann man nun gerade auch wieder nicht behaupten.

Etwaige Probleme hat der selbstgefällige Beau César in dem spanischen Original 'Open your Eyes', das als Vorlage für das gerade gestartete Hollywood-Remake 'Vanilla Sky' fungiert, zunächst nicht. Seine Attraktivität erledigt die Frauen wie Mücken auf einem Klebestreifen - sie bleiben an ihm hängen, er läßt sie fallen, zweimal sieht man sich selten.

Als die wunderschöne Penélope Cruz, die in beiden Filmen mitspielt, seinen Weg kreuzt, scheint sich das zu ändern. César will das erste Mal eine Frau 'für ewig' und grinst verklärt, als er ihre Wohnung verläßt. Doch eine alte Verehrerin fährt lieber eifersüchtig ein Auto gegen den Baum, als ihn zu verlieren, und mit der Schönheit des Mannes ist es von da an dahin. César fühlt sich nach dem Unfall wie ein Monster, und die zarten Bande zur weiblichen Schönheit sind schnell zerstört. Ob es sein Gesicht oder vielmehr seine permanenten Unterstellungen gegenüber den anderen waren, bleibt unaufgelöst. Sein Prinzip war die Schönheit, und alles andere macht ihn orientierungslos und ängstlich in einer Welt, in der er fortan lieber den Schatten sucht.

'Open your Eyes' spielt mit vielen Details der Film- und Ideengeschichte: 'Die Schöne und das Biest', 'Dr. Jekyll and Mr. Hyde' klingen an, der Wunsch nach Reinheit und die Angst vor dem Schmutz sind ein Thema, genauso wie das Authentische und die Maske, der Mythos von der heiligen Frau und der Hure. Was interessant klingt, ist ein zu breites Spektrum für den Film, der so anstrengend, überladen und irgendwie verstörend auf den Zuschauer wirkt.

Die Handlung geht in der Psychiatrie weiter, die zuvor schon für kurze Momente die chronologisch verschachtelte Narration durchblitzte. Ein Psychiater versucht buchstäblich hinter die Maske zu blicken, die César nun trägt. Er ist überzeugt, sein Gesicht sei schlimm entstellt - oder doch nicht? Der Psychiater redet von einer Operation, die gelungen ist und von einem Mord. Traum und Realität wechseln sich stetig ab. Hat César mit einer Operation sein Gesicht wiederherstellen können? Hat er Penélope bekommen und dann umgebracht, weil ihr Gesicht beim Höhepunkt jenes der Verehrerin war? Ist er gar verrückt? Fragen über Fragen. Am Ende hilft ihm nur der Sprung ins Nichts, denn diese Welt ist eine Illusion, die nur in Césars Kopf ist.

'Vanillesoße' aus seinem Gehirn, mit dem er sich jeden Himmel und Horizont kreieren kann. Am Ende begreift man, daß das Genre Sci-Fi ist. Der Sprung vom Hochhaus ist nur noch eine narrative Formalität und ein technischer Adrenalinkick für die Wahl der Kameraeinstellung. Nur einige Schichten von Negationen gilt es mit Sartre noch abzulegen, bis das Glück im nächsten Leben endlich kommen kann.

'Alles nur in Deinem Kopf!', so das originelle Kurz-Motto dieses Streifens. Ist das ideengeschichtlich nicht schon etwas sehr alt? Nur, daß man dafür bezahlen und erst sterben muß, das ist sicherlich brandneu! Fehlt nur noch die Designagentur fürs eigene Leben!

Stefanie Maeck


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