Pornostar (Poruno Suta)
Toshiaki Toyoda, Japan 1998

Die Gesellschaft ist schlaff und faul. Kulturkritik aus dem Mund desjenigen, der Teil des Problems ist, sich aber für dessen Lösung hält: der Yakuza-Boss sieht in der organisierten Kriminalität den Stachel, der den Wirtschaftsmotor am Laufen hält. Wir sehen dagegen, daß die Gewalt der Yakuza nur vordergründig wirtschaftlichen Motiven gehorcht. Junge Männer bäumen sich gegen die zeitgenössische Sinnentleerung auf und bringen sich deshalb gegenseitig um. Die trostlose Mechanik der tödlichen Schachzüge zwischen den diversen Gangs wird in "Pornostar" von einem merkwürdigen Fremdkörper aufgestört. Ein stoischer junger Mann mit unerschütterlich leerem Gesicht tritt zwischen die austauschbaren Fronten. Er scheint grün hinter den Ohren, ist aber der coolste von allen.

Ein Autist mit, soweit erkennbar, kindlichem Weltbild, in dem Yakuza "not needed" sind, also überflüssig. Er geht mit ihnen, um sie dann willkürlich und regungslos zu liquidieren. Eine plakative Leerstelle der Gewalt, mit der Nachwuchsregisseur Toyoda das maskenhafte Gewaltsystem in voraussehbarer Weise dekonstruiert. Auf seinem Zickzack-Weg begegnet dem Jungen durchaus das Menschliche und begleitet ihn jeweils ein Stück: die Liebe in Form eines Mädchens, das mit ihm zum Grand Summer of Love auf die Fidjis fahren will, er wird sie neben den Drogen links auf dem Klo liegen lassen. Die Jugend in Form einer Skateboard-Clique, der er sich kurz anschließt und das Skaten lernt, sie sind die Yakuza Youth und werden ihm am Ende den Todesstoß versetzen. Die Feundschaft in Form des Yakuza Kojimo, ihm gilt des Jungen letzter Messerstich, eine narzißtische Geste, denn Kojimo sticht zurück und die beiden verbluten theatralisch auf der sonnigen Straße.

Ist das hier die Schematik des vollendeten Nihilismus, der sich vollendend seine eigene Existenz verneint? Der Film selbst ist jedenfalls nicht nihilistisch, sondern in der ungeschickten Maniriertheit seiner Mittel außerordentlich diesseitig - und jenseitig eitel. Betont schwerfällige Choreographie der action, allgemeine Ausdruckslosigkeit auf den Gesichtern, überdeutlich bleierne Starre, unterstützt durch tonlosen Sound. Dessen quälende Kargheit kontrastiert mit krachigem Rockpathos, das die regelmäßig auftauchenden Zeitlupeneinschübe begleitet. Abstrakt trotz aller Zuspitzung, blutarm trotz aller Gewalt, und deshalb leider stinklangweilig.

Jakob Hesler



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