 | | Road to Perdition, USA 2002; R: Sam Mendes; B: David Self (basierend auf Max Allan Collins' Comic); K: Conrad Hall; S: Jill Bilcock; D: Tom Hanks, Paul Newman, Jude Law, Daniel Craig, Tyler Hoechlin, Liam Aiken u.a. Fox Verleih. Start: 5. September 2002. | | |
Das Böse auf Achse Es ist cremig braun und nobel hier. Teure Anzüge und Zigarren. Frauen tragen wellig an den Kopf gepapptes Haar, klassisch geschnittene Kleidchen, schicke Bogart-Hüte sitzen auf markanten Männerköpfen. Irische Folksongs laden zum Tanz irgendwo bei Chicago, draußen schneit's, und hinter der lebendigen Kulisse ahnt man die Depression der 30er. Das klingt nach Mafia, Prohibition und Gesetzesbrecherei, und so ist's dann auch. Tom Hanks gleicht mit Schnauzbart zwar eher einem bornierten Büroangestellten, aber seine Verschwiegenheit, seine Blicke, alles deutet darauf hin, dass er ein Tough Guy ist. Schon bald wird sein ältester Sohn einen fatalen Fehler begehen und die Mafiosenfamilie wird sich gegen ihren besten Hit-Man, eben Tom Hanks, stellen. Seine Frau und den jüngsten Sohn werden sie erwischen, von da an ist Papa mit dem Ältesten auf der Flucht. Die Kulissen, Farben, Gesten, alles ist ästhetisch einwandfrei, oberflächenglatt und porentiefscharf, aber hätte man anderes bei "American Beauty"- Regisseur Sam Mendes erwartet? So symmetrisch und schön farbentrunken sind die Bilder, dass man geradezu die Bilder der Comic-Grundlage erahnen kann, denn die festen Linien und Schatten erscheinen wie gezeichnet. Aber wozu die ganze Schönheit? Was bei "American Beauty" ja noch irgendeinen Sinn machte, will heißen, die geheuchelt schnieke Fassade des amerikanischen Mittelstands in eben solchen Bildern einzufangen, läuft bei "Road to Perdition" voll ins Leere. Der Plot ist erbarmungslos doof und mit einem solchen Ernst aufgetischt, als wäre das Mittel feiner Selbstironie im modernen Film noch nicht erfunden. So besteht null Distanz zum gewählten Genre des Mafiosi-Thrillers und vielleicht wollte Mendes halt einen "Paten" drehen, der noch patiger als "Der Pate" ist - natürlich in seinem eigenen Stil, denn vor allem scheint Mendes um ein eigenes Markenzeichen bemüht: das Zymbalo-Rasseln aus "American Beauty" erklingt wieder, und siehe da, es gibt einen spinnerten Fotografen, der gerne Sterbende fotografiert und den Tod so gut anzusehen findet. Scheint eine gepflegte Marotte vom Regisseur zu sein, wir erinnern uns an den toten Vogel "voller Schönheit" in "American Beauty" und dürfen schon irre gespannt sein, wie Mendes dasselbe Motiv im nächsten Film verwurschtelt. Well, zur Story läßt sich nicht viel sagen, wirklich nicht. Ödipus und die Frage, wann ein Mann ein Mann ist, bilden die Basics der ganzen Dynamik. Auf ernsten Augen steht dann die Gretchenfrage der Kindheit: "Papi, hast du meinen Bruder eigentlich mehr geliebt als mich?" Was folgt ist Rührung: des Killers Herz taut plötzlich auf; Rache: Papa ballert dem Sohn in einem One-Man-Feldzug die Zukunft frei; und ein Happy-End: Der Sohn wird später mal ein Guter, die plötzlich grell scheinene Sonne hat es uns verraten. Jeeedoubleyou Bush wird seine helle Freude an dieser dumpfen Befreiungsschlag-Logik haben. Anke Eickhoff
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