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Sleepy Hollow Tim Burton, USA 1999 Johnny Depp ist in letzter Zeit wirklich nicht zu beneiden. Kürzlich kämpfte er in Polanskis "Ninth Gate" noch gegen den Leibhaftigen und die Verführungskünste der diabolischen Emmanuelle Seigner, die, um alle Peinlichkeit perfekt zu machen, auch noch die Angetraute des Regisseurs ist. In Burtons Adaption von Washington Irvings Schauer-Legende ist es nun ein kopfloser Reiter, der Johnny das Leben zur Hölle macht. Pünktlich zum Millenium sind die Kinos voll mit unheimlichen Geschichten; kleine Jungs haben Kontakt zum Jenseits, Bruce Willis kann nach "Color of Night" einmal mehr beweisen, wie lächerlich ihm die Rolle des Kinder-Psychologen zu Gesichte steht, und die schöne Patricia Arquette muß gar die Wundmale Christi tragen und kräftig Blut lassen. Kurz: Horror und Übersinnliches haben momentan Konjunktur. Aber wen wundert das eigentlich in Zeiten, in denen selbst schwedische Modehausketten meinen, einem Ratschläge wie "Prepare Yourself" mit auf den Weg geben zu müssen. "Millenium is near" mit diesen Worten beginnt denn auch Burtons sicherlich gutgemeinter jüngster Beitrag zur Milleniumsschwemme; seine Adaptation von Irvings Legende, die er bezeichnenderweise in das Jahr 1799 verlegt. Ichabod Crane ist Polizist und bemüht um sich herum das Licht der Aufklärung erstrahlen zu lassen. Damit geht er seinen Vorgesetzten allerdings mächtig auf die Nerven. Um ihn loszuwerden erteilen sie ihm den Auftrag in dem kleinen Nest Sleepy Hollow eine Reihe von mysteriösen Morden aufzuklären. Alle Opfer haben hierbei eins gemeinsam - ihnen wurde der Kopf abgeschlagen. Motivisch an Coppolas "Dracula" erinnernd, folgt nun die Fahrt durch den Wald: Aus feucht-klammen Nebeln steigt das Böse (und vielleicht auch die eigenen dunklen Triebe ?) auf - und die Aufklärung tritt gegen das Magisch-Mystische zu Felde. Mit chirurgischem Werkzeug à la Cronenberg, diversen obskurem Sehgerät, daß in jeder Situation erfolgreich verhindert, daß Ichabod überhaupt irgend etwas erkennt, versucht Letzterer in Sleepy Hollow die Geschehnisse aufzuklären. Aber bekannterweise ist daß mit der Aufklärung ja so eine Sache, sie holt sich ganz gerne auch selbst ein. Beim Auftauchen des kopflosen Reiters ist Ichabod auf jeden Fall der Erste, der ohnmächtig zu Boden sinkt, was ihn allerdings nicht daran hindert später um so aufgeklärter darüber zu reflektieren. Und natürlich verschafft ihm die ganze Spukerei wie in jeder komplexen Story Einsichten über die eigene Vergangenheit. Dieser vermutlich gutgemeinte Zug, die recht einfältige Handlung aufzutakeln, nervt allerdings gewaltig. So soll in Rückblenden und märchenhaften Sequenzen ein Zusammenang zwischen Cranes Fixierung auf rationales Kalkül, wie technische Gerätschaft und seiner traumatischen Mutter-Beziehung hergestellt werden. Ständig werden diese Visionen Ichabods an exponierten Stellen eingespeist, die die Handlung unübersichtlich machen und nicht verbergen können, daß der rote Faden der Geschichte des öfteren verloren geht. Ehrlich gesagt helfen da auch die Köpfe, die im zwei bis drei Minuten Takt fallen, nicht weiter. Überhaupt hätte dem Film ein wenig mehr an Subtilität bestimmt nicht geschadet. Denn der anatomische Reiz von fleischigen Rümpfen ist doch eher von kurzweiliger Natur und dürfte Fans des Genres wohl nicht mehr in Ekstase versetzen. Apropos Genre: Der parodistische Gestus des Filmes wirkt nach kurzer Zeit penetrant und nervt genauso wie die ewig augenzwinkernde Selbstreflexion von Filmen wie "Scream" und Konsorten. Und noch einen weiteren Trend im Kino der ausgehenden 90er nimmt Burton bereitwillig mit ins neue Jahrtausend: Die Verwässerung waschechten Horrors durch den Zwang zur Romantisierung. Denn natürlich gibt es auch in "Sleepy Hollow" eine schöne, geheimnisvolle Kind-Frau, gemimt von Christina Ricci, die dem männlichen Helden mindestens genauso suspekt ist, wie der kopflose Reiter. Burton hätte sich bei seinem neuen Film entscheiden sollen, ob er mehr den pointierten Hieben Irvings gegen die Ängste des puritanischen Amerikas folgen möchte, oder ob er sich für die thrill- und slasher-Momente der Vorlage interessiert. Da er beides nur halbherzig oder übertrieben tut, muß er sich mit diversen anderen Ingredienzen behelfen, die den Film zum uneindeutigen Mischmasch aus Genreparodie, Historienfilm, Märchen und postmoderner Zitatenschlacht machen. Dadurch verliert die Bildsprache ihre Leichtigkeit und macht aus "Sleepy Hollow" einen schwülstigen und überinszenierten Schinken, der im Februar, nach überstandenem Jahrtausendwechsel nicht mehr so recht begeistern will. Stefanie Maeck
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