 | | Swimming Pool, Frankreich 2003. R: François Ozon, B: François Ozon, Emmanuèle Bernheim, K: Yorick le Saux, Schn: Monica Coleman, Pr: Olivier Delbosc, Marc Missonier, D: Charlotte Rampling, Ludivine Sagnier, Charles Dance, Marc Fayolle, Jean-Marie Lamour Constantin Film, 14. August 2003. | | |
Leinwand Pool Die erfolgreiche britische Krimiautorin Sarah Morton (Charlotte Rampling) steckt in einer schweren Schaffenskrise. Um sich von ihrer Depression abzulenken und um neue Inspiration zu finden, verbringt Sarah den Sommer in dem südfranzösischen Landhaus ihres Verlegers. Dort findet sie alles, was das Schriftstellerherz begehrt: Ein pittoreskes Anwesen mit pastellfarbenen Fensterläden, eine schattige Veranda für die heißen Tage, eine Anrichte voll der leckersten Spirituosen für die Entspannung am Abend, ein kleines Dörfchen, fußwegentfernt. Routiniert beginnt sie die Arbeit, ihrem Seriendetektiv einen neuen schauerlichen Mord in die Kanzlei zu schicken. Doch Künstler haben"s schwer, das Leben verweigert so manchem die herbeigesehnten Langstreckenflüge in die Gefilde der Imagination. Mit anderen Worten: die Welt ist banal - und fleischlich. Eines Nachts steht Julie (Ludivine Sagnier), ein junges Mädchen des französischen Verführerinnenprototyps, im Wohnzimmer und stellt sich als die Tochter von Sarahs Verleger vor. Man wird sich schon einrichten, das Haus ist ja groß genug, sagt sie. Von nun an ist"s aus mit Paradies, statt mit dem Zirpen der Grillen muss Sarah Morton mit lauter Popmusik und den Begleitgeräuschen von jugendlichem Geschlechtsverkehr zurecht kommen. Ganz freizügig bekennt Regisseur François Ozon ("Unter dem Sand", "8 Frauen") in einem Interview, dass er mit diesen Film eine Reflexion über seine eigene Arbeit als Autorenfilmer angestellt hat. Als erstaunlich belastbare Metapher fungiert dabei der titelgebende Swimming Pool als jungfräuliche Leinwand, die der Filmemacher mit Bedeutung zu füllen hat. Zu Beginn würdigt Sarah Morton das Planschbecken keines Blickes. Erst als ihr Interesse an dem geheimnisvollen Teenager erwacht ist, der sich in dem kühlen Wasser wie zuhause fühlt, gerät der Pool als Topos der Kreation ins Zentrum der Geschichte. Wie ihr Hausdetektiv forscht Sarah nach brüchigen Stellen in Julies Selbstdarstellung und peu à peu entstehen Gedanken für ein neues Buch, zusammengezimmert aus Beobachtungen und Mutmaßungen über die geheimnisvolle Identität von Julie. Der Gedanke, einen Film über die Schleichwege künstlerischer Produktivität zu machen, ist natürlich, besonders in Frankreich, nicht neu. In Ozons Film sieht man ihn allerdings selten präzise und konsistent entwickelt.Im sinnlichen Bann der Nixe Ludivine Sagnier und versorgt mit vielen Schrulligkeiten einer großartig aufgelegten Charlotte Rampling wird der Zuschauer vom Magier Ozon mit allerlei Taschenspielertricks versorgt, die ihm die Orientierung im narrativen Gestrüpp gehörig erschweren. Man kann seine händereibende Freude spüren, mit der er auch noch einen gruseligen Zwerg in die Geschichte schickt, der nach bester Twin-Peaks-Manier auch jene Synapsen zu kitzeln vermag, die für Gänsehäute zuständig sind. Wem also in dieser Hochsommerhitze nach einem Bad zumute ist, dem sei "Swimming Pool" empfohlen. Wer die Wildheit des offenen Meeres vorzieht, wird sich vielleicht über die artifizielle Begrenzung ärgern. Dabei scheint es mir eine Tatsache zu sein, dass gerade diese für eine Unmenge amüsanter Spiele taugt. Johannes Schade
A propos Ozon: Das Interview findet sich hier.
|