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 | | Tuvalu, D 2000, 90 Minuten. B, P, R: Veit Helmer, B: Michaela Beck, K: Emil Christov, Schnitt: Araksi Mouhibian, M: Jürgen Knieper, Goran Bregovic, D: E.J. Callahan, Philippe Clay, Terence Gillespie, Chulpan Hamatova, Dennis Lavant, Djoko Rossisch, u.a. Buena Vista International, 15.06.2000 | | |
Tag am Meer Ein Tag am Meer: Das ist die Stimmung, die in Tuvalu transpotiert wird. Eigensinn, im wahrsten Sinn des Wortes. Eigen-Sinn der Bilder, weil die Worte eine sinnliche, keine vordergründig sinnhafte Rolle spielen - alles wird zu Musik. Eigen-Sinn der Figuren, weil jede Figur zuallererst für sich steht, es gibt kein psycho-soziales Gefüge in diesem Film, das weitergehende Bedeutung hätte - kausale Bedeutung wird ausgeblendet. Und schließlich, Eigen-Sinn der Stilistik, weil willkürliche Farbgebung, minimalistische Inszenierung und akribische, detail-verliebte Ausstattung sich selbst nur finden - und feiern. Aber die Idee ist gut, wenn das die Idee ist. Enttäuschend dagegen, wenn man die Story kennt, weil einem sich die Story im Werbekontext komplett erzählt. Aber so ist das immer, wenn man mit Träumen wirbt. "A journey into the world of dreams". Der Traum ist ein Aussteigertraum, das Paradies, Eden, Glückseligkeit, alles. Ab nach Tuvalu, dieser unbekannten, unbemannten Südseeinsel, das Glück finden, in Zweisamkeit, Amen. Anton, der etwas andere Bademeister, verbringt seine Zeit damit, seinem Vater ein gefülltes Schwimmbad vorzuinszenieren, damit erstens dieser glücklich sterben kann und zweitens sein Bruder keine Grundlage hat, das alte Bad, das verblüffende Ähnlichkeiten mit einer Kirche hat, abzureissen. Eines grauen Tages taucht Eva auf, und die hat das Schiff. Der Film dreht sich also - zum Glück - um den beschwerlichen Weg dahin. Sich zu lösen, Aufzubrechen. Nur dass dieser Weg selbst zum Märchentraum stilisiert wird, stimmt komisch. Nicht ein Traum, sondern die Realität wird denunziert, indem diese zum Traumspiel inszeniert wird. Jede Inhaltsangabe muss zwangsläufig fantastisch klingen, sie endet mit: hinaus aufs offene Meer zur Insel Tuvalu. Aber man darf dem jungen Talent Helmer nicht unrecht tun, man darf nicht verschweigen, dass dieser Traum sehr kritisch mit dieser unserer Zivilisation umgeht. So wird die Gleichsetzung von Technologie und Fortschritt, die im bösen Bruder Gregor sich personifiziert, ins Lächerliche gezogen, wenn dessen fanatische Modernisierungsbestrebungen an der alten Kartenverkäuferin scheitern, oder die Rücksichtslosigkeit gegenüber Behinderten demonstriert, wenn der Vater just im Moment der öffentlichen Entscheidung über das Fortbestehen dieser unwirtschaftlichen Chlorkathedrale von Gregor samt Rollstuhl den Abhang hinunter gestoßen wird. Solch Gespür für Sozialrealismus paart sich hier mühelos mit oben erwähnten, stilistischen Spielereien. Obgleich die Farbgebung in Sepia, Cyan, >Off-Yellow< und einem Grün, das sich jeder Umschreibung verweigert, keiner Logik zuordnet. Ausser vielleicht der, die sich aus dem bisherigen Schaffen des Herrn Helmer herleiten lässt. Aber diese Logik wäre dann wieder enttäuschend, weil sich einmal mehr zeigen würde, dass sich Kurzfilmideen nicht einfach so auf 90 Minuten Buena Vista Kinofilm übertragen lassen. Also fragen wir lieber nicht nach der Logik, sondern lassen uns ein Märchen erzählen. A propos: www.tuvalu.tv/ Achim Wiegand
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