Terminator 3Terminator 3 - Rebellion der Maschinen, USA 2003. R: Jonathan Mostow, B: John Brancato, Michael Ferris, K: Don Burgess, Schn.: Neil Travis, Nicolas De Toth, M: Marco Beltrami, P: Mario F. Kassar, Andrew G. Vajna, Joel B. Mi- chaels, Hal Lieberman, Colin Wilson, ausf. Pr.:Moritz Borman, Guy East, Nigel Sinclair, Gale Anne Hurd, D: Arnold Schwar zenegger, Nick Stahl, Claire Danes, Kristanna Loken, u. v. a.
Bundesstart: 31. Juli 2003, Verleih: Columbia Tri Star

Sag' mir quando, sag' mir wann...

Heute verkünden die Zeitungen den Aufschwung, morgen dementieren sie ihn. Auch die ''Terminator''- Saga nimmt die Versprechungen zurück, die sie macht. Der große Kampf gegen die Maschinen, aus der John Connor mit seinen Anhängern als endgültiger Sieger hervorgehen soll, wird immer wieder hinausgeschoben. Mit einer gewissen Ermüdung hat das Stammpublikum die Ankündigung aufgenommen, selbst der dritte Teil spiele nicht in der kriegerischen Zukunft, sondern inszeniere diese wieder nur als Cyborg-Angriff auf die Gegenwart, die Arnold Schwarzenegger mit Androiden-Zähnen und -Klauen verteidigt. Es kommt sogar noch schlimmer: Um übermorgen siegen zu können, muß sich die verfolgte Menschheit ins vorgestern zurückziehen. Alle Visionen und Entscheidungsschlachten werden vertagt.

Jonathan Mostow, über dessen Eignung als Nachfolger von James Cameron im ''Terminator''-Regiestuhl gestritten werden darf, sucht in der Vergangenheit nach einem Filmlook, in dem sich der Keim zum Neuanfang nach der Katastrophe einnisten kann. Selbstverständlich sind die Spezialeffekte wieder einmal verbessert worden, die den Roboter-Zweikampf in gewohnter und geforderter Verschwendungssucht zumüllen. Der tumbe T-800 liefert sich diesmal ein heftiges Geschepper mit der Terminatrix (Kristanna Loken), kurz: T-X, deren Zerstörungskraft von keiner Seriennummer mehr erfaßt wird. Eine kilometerbreite Schrottschleifspur zieht Arnie hinter sich her, um John Connor vor seiner haushoch überlegenen, ''weiblichen'' Gegnerin zu schützen. Die erotische Anziehungskraft der Blondine hätte dabei aufs Ganze gesehen keine Bedeutung, würde sie sich nicht mit ihrer unbegrenzten Verwandlungsfähigkeit, ihrem strengen blonden Anna-Kournikova-Scheitel und ihrem roten Kostüm zu einem längst überwunden geglaubten osteuropäischen Feindbild zusammenfügen.

Nicht nur deswegen befindet sich ein ''Terminator''-Film erstmals nicht auf Augenhöhe mit den Vorstellungen seiner Zeit. Was natürlich auch daran liegen kann, dass diese sich vor lauter Retro-Dies- und Retro-Das-Schnickschnack schwierig definieren lassen. Der nicht ganz so leidenschaftliche Liebhaber der Science-Fiction kann sich mit der neuen Retro-Version auf jeden Fall besser arrangieren als mit den Vorgängermodellen. Verwundert die Augen reiben werden sich von allersten Minuten an aber wohl alle. Versuchsweise extrem links und rechts angeordnete Credits statt grundsätzliche Linksbündigkeit. Hitchcockhafte Suspensemusik, wie von Bernard Hermann orchestriert, den Scorsese noch für ''Taxi driver'' zu Rate gezogen hat, skandieren anstelle von Elektrobeats die Actionszenen. Und der technikversessene, metallische Blaustich des ''Terminator'', den das Sequel ''Tag der Abrechnung'' um ein spätindustrielles Hochofenrot ergänzte, weicht der Dominanz von erdigen Braun-und Goldtönen. Eine Rolle rückwärts in die siebziger Jahre.

Bis hin zu einer raffinierten Schlusspointe genießt das New Hollywood in der ''Rebellion der Maschinen'' eine überraschende Hommage, die die zeitliche Verankerung des Films selbst mehrfach in Frage stellt. Nick Stahl spielt John Connor als Drifter, aufgelesen aus einem Roadmovie von Malick, Rafelson oder Cimino: Gelegenheitsarbeiter, tablettenabhängig, auf der Flucht. Die Terminatrix hat es schwer mit der Lokalisierung des Nomaden. Statt auf Telefonbücher oder Krankenberichte kann sie sich allenfalls auf eingespeicherte Abschlussjahrbücher stützen. So fährt sie als Femme fatale in der Nacht-Atmosphäre einer American Graffiti-Urbanität an Billboards und Leuchtschriftzügen entlang, durch verödete Straßen und in musikplärrende Drive-Ins, um John Connor und seine zukünftige Braut Kate Brewster (Claire Danes) anhand ihrer Hich-School-Verbindungen aufzuspüren.

Mit ''U-571'' und vor allem ''Breakdown'' hat sich Jonathan Mostow als Thriller-Spezialist hervorgetan. Das ist sein Horizont. Pseudo-Zitate aus den Klassikern des Genres pflastern das Seventies-Revival. Nick Stahl als gestrandeter Tramp wie Jack Nicholson in Rafelsons ''Wenn der Postmann zweimal klingelt''. Falsche Gräber wie in Hitchcocks ''Family Plot''. Tierische Maschinen-Aggressivität und on-the-road-Locations aus Spielbergs Duell. Für die science-fiction-spezifischen Paradoxien einer Zukunft, die immer schon stattgefunden haben wird, hat Mostow bloß ein parodistisches Lächeln am Wegesrand. Seine Antwort darauf, dass die Zeit aus den Fugen gerät, besteht in marottenhaften Anachronismen. Das existenzielle Pathos von John Connor. ''Arnies'' stoische positivistische Datenhuberei. Sowie die Selbstreparaturmasche und steifen Anverwandlungsversuche der Terminatrix, die sie auf die Drolligkeit einer anpassungsbemühten Heimwerker-Barbie schrumpfen lassen.

Das Unzeitgemäße gilt es jedoch zu bejahen, denn es taugt zur Lebens- und sogar zur Überlebens-Form. John und Kate finden Zuflucht an einem Ort, der Schutz durch sein mehr als dreißig Jahre altes Equipment gewährt. Angesichts des weltweit wütenden, nuklearkriegsauslösenden Computervirus von Skynet, in dem die Maschinen zu Bewusstsein kommen und die Menschheit plattmachen, empfiehlt sich die ehemalige Notfallkommandozentrale der USA auf dem Technikstand von circa 1973 durch ihre schlichte Unvernetztheit als sicherer Unterschlupf.

Andreas Günther



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