Gladiator
Ridley Scott, USA 2000

Eine Spezialität der Hollywood-Ökonomie ist das Remake. Gerne werden interessante europäische oder klassische Stoffe einer besser vermarktbaren Zweitverwertung zugeführt - wodurch zum Beispiel klar wurde, daß Besetzungsfragen meistens Zielgruppenfragen sind. Es gibt aber noch eine andere Variante des Remakes: nicht Filmen, sondern ganzen Genres soll dabei neues Leben eingehaucht werden. So zum Beispiel neulich "The Mummy", mit dem der vergessenen Tradition der Mumienfilme ein unrühmlicher Grabstein gesetzt worden ist. So auch Ridley Scotts neuer Film "Gladiator". Wobei uns das Sandalenkino zeitlich noch näher ist.

Was unterscheidet den Gladiator von der Mumie? Er ist ernst gemeint und verzichtet deshalb auf jeden Humor. Mit immensem Aufwand hat man sich also im Zeichen des "Gladiators" in der Nachstellung von Schlachten, Massenszenen und sogar des Kolosseums in Rom verkünstelt, wobei die digitale Trickserei übrigens nicht im Vordergrund steht. Echtes Handwerk also. Authentische Waffen, Klamotten etc, nur einen kleinen Fehler oder Scherz am Rande hat man sich geleistet: als ein paar römische Senatoren dinieren, steht auf dem Tisch ein typisch italienisches Essig-und-Öl-Gedeck aus der Pizzeria nebenan. Russell Crowe spielt einen heldenhaften General, der Nachfolger des sterbenden Kaisers werden soll, aber von dessen bösem Sohn ausgebootet wird (Joaquin Phoenix).

Crowe wird auf der Flucht versklavt und muß sich schließlich als Gladiator durchschlagen. Dabei ist er so erfolgreich, daß er gegen Ende des Films in der großen Arena dem nunmehr Kaiser gewordenen Fiesling Auge in Auge gegenüber steht. Die Dialektik der Demagogie schlägt um, und der Gladiator siegt über den Kaiser. Soldatische Treue sorgt für Ordnung im Saustall einer verlotterten Republik. Russell Crowe gibt den Helden durchaus glaubwürdig, und Ridley Scott zeigt uns auch geschmackvoll arrangierte Schmutz- und Schattenszenen. Aber das wars dann auch schon. Erdrückt von Bombast des pseudo-impressionistischen Soundtracks, entnervt obendrein vom esoterischen Ethno-Gesinge der Dead Can Dance Sängerin - fügt man sich in sein Schicksal und schaut sich die monumentale Gewaltorgie zu Ende an.

Ex-Werber Scott hat noch eine visuelle Idee auf Lager: Wenn Crowe von Frau und Kind träumt, sehen wir surreale Felder vorbeifliegen, und wenn es brenzlig wird, verwandelt sich diese Tschibo-Landschaft in eine Au der Toten. Diese hohle Imitation des Monumentalen ist so sinn- und lieblos, so bitter werden die Erwartungen enttäuscht, die man alter Klassiker Scotts zuliebe auch an diesen Film noch gehabt hat. Aber seit "Alien", "Blade Runner" und meinetwegen auch "Thelma und Louise" sind eben schon ein paar Jahre vergangen. Worauf dürfen wir uns als nächstes freuen? Scott filmt "Hannibal" - keine Fortsetzung in Sachen Sandalen, nicht Hannibal von Karthago ist gemeint, sondern Hannibal Lecter - die Fortsetzung vom "Schweigen der Lämmer".

Jakob Hesler



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